Sonntag, 9. November 2008

Dia de los Muertos

Dias de los Muertos

Dia de los Muertos

oder die Rückkehr der Toten...
Diese außerordentlich wichtigen Tage habe ich in Atlixco und Umgebung verbracht. Atlixco ist ein kleines Städtchen so ne Stunde südlich von Puebla, zu dem man im Lonely Planet kaum etwas findet, was ich aber sehr süß finde. Das Klima ist ein bisschen angenehmer und die Leute sind um einiges netter als in Puebla (man sagt den Poblaner einige fiese Eigenschaften nach, wie zum Beispiel heuchlerisch, unfreundlich und verschlossen zu sein). Daniel und ich sind freitags schon mal vorgereist und die Mädels samstags nachgekommen. Haben die Gelegenheit genutzt und jeden Punkt der Touristenkarte abgeklappert. Inklusive Sonnenuntergang und damit verbundenem Schlusssprint auf den Stadtberg.
Haben also einem Altarwettbewerb beigewohnt, auf dem Markt lecker blaue Tortillas gegessen mit Cecina (hab erst danach erfahren, dass das das Fleisch ist, das zwei Tage lang nicht verkauft wurde und deshalb in Salz eingelegt wird. Ist aber lecker....)und danach noch alle möglichen kleinen Kirchen, alte Konvente und den Stadtberg (mit Kirche) besichtigt. Mein Kulturbedürfnis wurde den Freitag über also gestillt, wobei wir abends fast verhungert wären, weil einfach nichts mehr auf hatte. Wie tot das kleine Städtchen...
Samstags kamen dann auch die Mädels und wir sind nach Huaquechula gefahren, ein kleines Dörfchen, was bekannt für seine eindrucksvollen Altäre ist.

"Der Día de los Muertos (Tag der Toten) ist einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage, an dem in Mexiko traditionell der Verstorbenen gedacht wird.

Die Vorbereitungszeit für die Feierlichkeiten beginnt Mitte Oktober, gefeiert wird in den Tagen vom 31. Oktober bis zum 2. November. Dabei wird der Día de los Muertos je nach Region auf verschiedene Weise gefeiert.

Der Tag der Toten wurde 2003 von der UNESCO in die Liste der „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ aufgenommen. Die Feierlichkeiten in ihrer traditionellen Form gelten als bedroht, da sie nach und nach von dem eher kommerziell ausgerichteten Halloween-Brauch aus Nordamerika beeinflusst werden, mit dem der Tag der Toten aber außer der allgemeinen Thematik nur wenig gemein hat.

Der Umgang der Mexikaner mit dem Tod wirkt auf westliche Kulturen befremdlich, da der Tod dort nicht tabuisiert wird. Er wird als etwas betrachtet, vor dem man sich nicht zu fürchten braucht, etwas, dem man jederzeit begegnen kann - mit Ironie. Alltägliches in Mexiko wie: 'La Calzada del Hueso' (Die gepflasterte Knochenstraße), 'La Barranca del Muerto' (Die Todesschlucht) wurde so in Relation mit dem Tod gebracht. Der Tod ist allgegenwärtig und ein Teil des Lebens. Besonders deutlich wird das in der Zeit rund um die Días de los Muertos, wenn die Calaveras (Skelette aus Pappmaché, Gips oder Zucker) in allen möglichen Alltagssituationen dar- und in den Straßen und Geschäften aufgestellt werden.

Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zum Ende der Erntezeit zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Durch spanische Missionare, die vergeblich versuchten, das Fest abzuschaffen, wurden die Feiern mit den christlichen Feiertagen Allerseelen und Allerheiligen zusammengelegt. Parallelen zwischen der christlichen Vorstellung vom Tod und dem indigenen Glauben ermöglichten diese Verschmelzung. Schon die Azteken sahen den Tod nicht als Ende, sondern als Anfang neuen Lebens, eine Übergangsphase zu einer anderen Daseinsform. In Vermischung mit dem christlichen Glauben entstand ein einzigartiges kulturelles Fest, das die Bräuche des vorspanischen Mexiko teilweise weiterleben ließ."
Quelle: Wikipedia

Diesen bedeutungsvollen Tag haben wir also in diesem kleinen Dorf weit weg von allem verbracht und es war sehr schön! Zuerst ein bisschen über den Markt geschlendert und dann die einzelnen Altäre besichtigt, indem man einfach den Ringelblumenspuren gefolgt ist. Alles ist voll in diesen Tagen mit diesen leuchtend gelb/orangen Blumen und es ist fast ein bisschen schade, dass die Mexikander diese Blumen nur für diese Tage benutzen und mit Tod verbinden. Jedenfalls sind wir dann also in die verschiedenen Häuser und haben die Altäre besichtigt, wobei ich das ganze anfangs ein bisschen komisch fand, weil man da einfach in die Häuser reinspaziert und sich Bilder von den Toten anschaut. Aber die Leute dort waren sehr sehr nett und dann und wann wurde man auch zum Essen eingeladen. Und das war einfach das Krasseste. Diese Menschen, die selber nicht viel haben, sparen das ganze Jahr über um diesen Altar aufzubauen und dann ein Fest im Hinterhof auszurichten, wo sie einfach mal wildfremde Menschen verköstigen. Das hat mich dann schon ziemlich beeindruckt... und so nett.
Muss wohl zugeben, dass ich anfangs diese Art mit dem Tod umzugehen ziemlich befremdlich fand. Auch die Totenköpfe aus Zucker haben mich immer wieder ein bisschen abgeschreckt. Aber eigentlich ist es eine ganz schöne Art mit diesem Thema umzugehen im Gegensatz zu unserem traurigen Friedhofsgang mit Regen, Nebel und Musikkapelle. Hier isst man auf dem Grab, trinkt Bier und feiert. Dabei ist alles bunt und je nachdem gibt es sogar ein Mariachi-Gruppe, die für den Verstorbenen spielt. Und alles ein bisschen sorgloser, leichter und fröhlicher als bei uns.
Am nächsten Tag waren wir auf dem Rückweg nach Puebla dann noch in zwei ganz kleinen Dörfern, die einfach nur auf dem Rückweg liegen aber sozusagen ein richtiger Glücksgriff waren. Zuerst in Acatepec und dann in Tonantzintla. Beide Dörfer mit sehr hübschen kleinen Kirchen, wobei in Tonantzintla auch indianische Elemnte in die Kirchendeko miteingebracht wurden. Sehr interessant. Auf dem Weg vom einen Dorf zum nächsten haben wir dann die beiden Dorffriedhöfe passiert und so konnte ich nochmal das Feiern dieser Tage in ganz ungezwungener Weise miterleben. Kinder die Fangi zwischen den Grabsteinen spielen, Leute, die mit Bierflaschen und lecker Essen sich am Grab Witze erzählen (gab da nämlich eine richtige Fressmeile vor dem Friedhof) und Mariachi-Musiker...
Zur Krönung dieses wunderschönen Wochenendes gabs dann noch einen Sonnenuntergang mit Popo-Sicht (Popocatépetl=Stadtvulkan).
Und da waren wir dann dieses Wochenende! Am Popo in einer Cabana mit Kaminfeuer. Wunderschön. Ein bisschen kalt, aber mit vielen Schichten angenehm. Popocatéptl heißt übrigens "Rauchender Berg" auf Nahuatl.
Nachts ein kleiner Ausflug zum Aussichtspunkt, wo man ganz Puebla und Umgebung bestaunen konnte und ich eine Sternschnuppe gesehen habe (wobei ich so beschäftigt war, das allen mitzuteilen, dass ich natürlich vergessen habe mir etwas zu wünschen...). Den nächsten Morgen hab ich dann das einzige Foto vom Popo ohne Wolken von der Veranda aus eingesackt und mich nochmal schlafen gelegt :-)
Nachdem dann alle wach waren, haben wir ein bisschen die Gegend erkundet, eine Hermita (Einsiedelei) besichtigt und dann lecker Tortillas zum Frühstück zwischen Iztaccihuatl und Popo gegessen. Dann beim Wolfi auf dem Motorrad hintendrauf mitfahren (Yeah!!!) und zu einem Aussichtspunkt spazieren. Alles in allem ein sehr schönes Wochenende, nur meeeeeeeeega anstrengend wegen der Höhe (waren bei dem Aussichtspunkt auf 3900 Meter)und der Kälte. Heute nur geschlafen und Film geschaut. Aber glücklich :-)