Dienstag, 14. Juli 2009

die letzten Monate in Puebla

Puebla...


und jetzt noch ein kleiner Querschnitt meiner letzten Monate in Puebla... Dachkletteraktionen, Abschiedsfeiern, bisschen Weggehen, Überschwemmungen und eine quinceanera, eine typische Feier zum fünfzehnten Geburtstag.

BUAP - Benemérita Universidad Autónoma de Puebla

BUAP - meine Uni


so, damit ihr auch mal seht, wo ich mich das Jahr über unitechnisch rumgetrieben habe...

Letztes Mal Meer

letztes Mal Meer


Ein letztes Mal noch ein bisschen getourt... mit unserem jetzt braven Vocho.
Also zuerst nochmal nach Atlixco. Die kleine Stadt in der Nähe Pueblas, die so nah und doch so anders ist. Klein, süß und ein angenehmeres Klima.
Dann sind wir Richtung Acapulco gefahren, was von Puebla aus die nächste Möglichkeit ist, an den Pazifik zu fahren. Da Acapulco aber so was wie das Mallorca der Amis ist, sind wir in einen kleinen Fischerort etwa eine viertel Stunde nördlich. Die Vorteile sind klar: man hat viel Ruhe, alles ist billiger, uriger, die Leute sind netter und es ist kaum touristisch. Auf dem Markt liegen die kranken Katzen neben dem Fisch und überall wimmelt es nur so von Fliegen...
Danach sind wir nochmal nach Taxco. Die kleine Silberstadt mit Toskanaflair... und ich habe mein Traumbad entdeckt! So wird also mal das Gästebad in meinem Haus am Merr aussehen ;-)

Samstag, 27. Juni 2009

Puerto Rico – Isla de Encanto

PR

Traumhafte Strände, Kolonialkultur und wunderschöne grüne Wälder. Das bedeutet Puerto Rico für mich. Aber auch freundliche Menschen, die immer ein Lächeln auf den Lippen haben und uns mit ihrer Gastfreundschaft mehr als einmal beeindruckten...
Nachdem Esther und mein Zusammentreffen am Flughafen in PR nicht wirklich geklappt hatte (Esther hatte ihren Anschlussflug wegen Unwetter in Amiland nicht bekommen), bin ich dann also alleine zu unserem Hotel im historischen Zentrum der Hauptstadt (San Juan) getingelt, wo mich dann auch gleich die nächste böse Überraschung erwartete. Stromausfall... Zuerst keine Freundin am Flughafen, dann kein Strom und dass alles nachts um elf in einer fremden Stadt... Aber zum Glück waren die vom Hotel supernett und so konnte ich dann für den gleichen Preis in einem viel schöneren Hotel einchecken, dass auch nur einmal um die Ecke gelegen war. Sehr schön... Also nachts noch was zu essen suchen, was in Old San Juan gar nicht so einfach ist... Sogar der Mac Donald´s schliesst um zehn...
Am nächsten Tag habe ich dann erst mal das historische Zentrum erkundet. Wunderschön. Der Baustil hat mich zwar schwer an Puebla erinnert (ist ja auch nicht anders zu erwarten gewesen), dafür hatte ich aber den Eindruck, dass alles ein bisschen sauberer, geordneter und sicherer zuging. Bei mir hat sich dann also in den zwei Wochen ein Dauergrinsen im Gesicht breit gemacht, was nur getrübt wurde, wenn mich mal wieder jemand für eine Gringa hielt. Mittags sind Esther und ich dann auch endlich aufeinander getroffen und sind erst mal los, was zu Essen suchen. Natürlich etwas typisches. Sind dann auch in einem netten Restaurant gelandet, wo es Mofongo gab. Bananenmasse mit Fleisch und Soße. War lecker. Wenn auch ein bisschen fettig, was uns einen Vorgeschmack auf unsere anderen Versuche gab, einhemisches Essen zu probieren. Historisch gesehen hat San Juan einiges zu bieten, ist ja immerhin nach der domenikanischen Republik, als nächstes von den Spaniern besiedelt worden. Es gibt ein altes Fort (el Morro), ein Castillo de San Cristobal, eine alte Kathedrale, die zweitälteste Kirche des amerikanischen Kontinents und viel kleine Gassen mit hübschen Häusern in verschiedenen Farben und mit Balkonen.
Am zweiten Tag haben wir dann die Bacardi-Fabrik besichtigt. Wieder was dazu gelernt: Bacardi: Spanischer Auswanderer in Kuba, der den ersten klaren Rum aus Zuckerrohr destiliert. Viel Geld gemacht und unter anderem Cocktails wie Cuba Libre (Bacardi mit Coca Cola) erfunden, was ein bisschen komisch ist, weil das bekannteste Bacardi getränk mit Cola gemischt wird, dem Amigetränk schlechthin, was ja für Kuba eher ein rotes Tuch ist. Deswegen vermute ich auch, dass der Cocktail erfunden wurde, bevor Bacardi mit seinem ganzen Hab und Gut aus Havana geflüchtet ist, als die typische sozialistische Enteignung von statten ging (anfangs noch ein großer Fan von Fidel, wollte der gute Familienclan dann doch nicht mehr hinter den sozilistischen Idealen stehen, als es an die eigenen Güter ging). Deswegen ist der Hauptsitz jetzt in Puerto Rico, die Familie stinkreich und die Führung schrecklich langweilig. Nicht so wie damals in Tequila... wo wir zwischen Agaven rumgeklettert sind und der Masse beim Gären zugegeuckt haben. Nein. Alles schön auf die Masse an amerikanischen Touris zurechtgeschnitten, die von ihrem Kreuzfahrtschiff runterklettern. Man setzt sich in ein kleines Auto, was einen dann zu einem Gebäude bringt. Dann kurz ein paar Bilder angucken, Film anschauen (für Dumme), nachgestelltes Büro anschauen, verschiedene Bacardiproduktionsschritte riechen und am Schluss in einem futuristischen Raum mit vielen Bacardiflaschen ein gute Laune-Video drehen, dass nie per email ankommt... Naja. Esther und ich waren also ein bisschen enttäuscht und haben uns dann mit den zwei frei-Cocktails getröstet. Nichts Produktion anschauen, bloß keine Fragen stellen und immer schön ja sagen, wenn sie fragen „did u like it?“. Wenigstens hat das ganze nichts gekostet und der Alkohol war umsonst. Nach dieser ernüchternden Erfahrung sind wir dann vom Zentrum aus an den nächsten Strand spaziert. Playa Escambrou und haben auf dem Weg dorthin schon mal einen ersten Eindruck von der anderen Seite PR bekommen. Ein Massenprotest, der das ganze öffentliche Leben lahm gelegt hat. Den Grund dafür haben wir erst später erfahren: der Governeur hat einfach mal 30000 staatliche Angestellte aus Einsparmasnahmen entlassen. Einfach so... und dass ist schon ein bisschen krass... 30000. Wenn man sich mal überlegt. Das sind fast so viele Leute, wie in Lahr wohnen. Und die sind jetzt alle ohne Arbeit... und wahrscheinlich hängen bei den meisten noch Familien mit dran.
Abends haben wir dann noch das Nachtleben erkundet, wobei der In-Club direkt neben unserem Hotel lag: Sehr praktisch... wurden wegen des Lärms nämlich in eine Suite verlegt (immernoch zum gleichen Preis yeah yeah yeah) und mussten einfach nur die Treppe runter, Tür raus, Club rein, Treppe hoch, tanzen und dann das ganze wieder zurück. Praktisch.
Nachdem wir am nächsten Morgen dann wehmütig unser Zimmer mit Balkon verlassen haben, mussten wir uns auf die Suche nach einem Auto begeben. Gar nicht so einfach, aber notwendig, da in PR das Bussystem mehr als unzureichend ist, da hier mal wieder der Amieinfluss durchkommt und einfach alle ein dickes Auto haben. Bus also nicht notwendig ist und ich als Mexiko-verwöhnte-Bus-tourerin ein bisschen geschockt. Abends wollten wir dann eigentlich unser Zelt in El Yunque, ein kleiner Nationalpark, schon aufgeschlagen haben. Hat aber alles nicht so geklappt, da unsere Essenssuche unterwegs länger dauerte, wir uns dank eines hilfsbereiten Bettlers verfahren hatten und dann auch noch die Distanzen schwer überschätzten und einfach mal an der Abbiegung vorbei gefahren sind, weil wir dachten, dass es ja nicht sein kann, dass es so nah ist. Jedenfalls war der Park dann schon zu, als wir endlich ankamen und wir sind dann auf den nächsten Campingplatz am Meer ausgewichen. Auch keine schlechte Option. Zwei Nächte: Zwanzig Dollar für zwei Personen. Also um einiges billiger als Old San Juan. Da wir ausserhalb der Saison unterwegs waren und anständige Touris ja scheinbar nicht campen, waren wir auf dem Campingplatz allein mit lauter pr-Familien, die den ganzen Abend und die Nacht hindurch nur Salsa am laufenden Band hörten. Zur Entschädigung war der unendlich lange Strand aber einfach nur 50 Meter entfernt und so frühstückten wir am Strand, bevor wir dann mit unserer Wandertour begannen. Mit Umwegen sind wir dann auch an unserem Ziel (dem Gipfel) angekommen. Waren insgesamt fünf Stunden am fleißig maschieren und zum Glück hat es nur die letzte halbe Stunde im Regenwald geregnet. Eigentlich hätte uns die Aussicht entschädigen müssen... aber nein... Es musste ja neblig sein. Und so Kommentare wie „unglaubliche Aussicht über die ganze Insel“ von anderen, die früher schon mal dort waren, haben nicht unbedingt geholfen... Der Tag war trotzdem wunderschön. So viel Natur und grün hatte ich ziemlich vermisst und der Smog und Rauch und das Grau Pueblas war mir in den letzten Wochen ziemlich auf die Nerven gegangen. Deswegen war es auch nicht so schlimm, dass wir keine kilometerweite Sicht hatten. Der Weg war das Ziel und der war wunderschön grün und frisch. Und außerdem hatten Esther und ich so auch die Möglichkeit ausführlich zu reden. Wir studieren zwar fast das gleiche, aber kennengelernt haben wir uns erst beim Marketingtutorium und bei den Klausurkorrekturen und die Idee nach PR zu gehen, war mehr als spontan. Hätte auch schief gehen können und anfangs dachte ich ja: ohje... hoffentlich klappt das alles. Im Endeffekt muss ich sagen ich glaube wir hätten es nicht besser treffen können. War echt ein wunderschöner Urlaub: stressfrei, harmonisch und doch ab un zu kleine Abenteuer, die zu Anekdoten wurden.
Als wir dann abends zu unserem Zelt zurückkamen blieb mir erst mal das Herz stehen. Was machen denn die zwei Klappstühle vor unserem bescheidenen Heim?
Von unseren Nachbarn, mit denen wir vor Aufbruch einen kleinen Schwatz hielten (wobei es immer von Vorteil war, dass ich Spanisch kann, weil das den PR um einiges sympathischer ist. Wenn man dann noch erwähnt, dass wir Deutsche sind...hui), hatten wir zwei Klapptsühle mit puerto-ricanischer Flagge geschenkt bekommen, um zu sehen, wie wunderschön dieses Land ist... Esther und ich waren unendlich gerührt.
Am nächsten Morgen haben wir dann noch ein bisschen unseren Privatstrand genossen, da kaum mehr Leute da waren wegen Wochenbeginn und haben uns dann schweren Herzens auf den Weg nach Mayagüez gemacht. Mit Umweg über die Ruta Panoramica (schön aber nichts für anfällige Mägen), Stopp in einem Dorf mit Spanferkel und lecker einheimischen Gemüse (größtenteils irgendwelche kartoffelartigen Wurzeln mit undefinierbarem Geschmack), kleine Tour durch Ponce, die Hauptstadt der anderen Seite der Insel und Ziel in einem verregneten Mayagüez bei Javier. Javier ist Receptionist in unserem Hotel und unter der Woche Student in Mayagüez. Die Möglichkeit umsonst auf seinem Dach zu Zelten wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen... Aber er war dann doch so nett uns in seiner WG schlafen zu lassen, nachdem wir seine Mitbewohner kennengelernt hatten, von denen der männliche Part Angst hatte, dass wir Menschenhändler sind oder irgendso ein Scheiß... Im Endeffekt haben wir uns dann noch super mit ihm verstanden (nachdem er sein Misstrauen mal beiseite gelegt hat) und am nächsten Tag auch alle zusammen den Tag an einem wunderschönen Strand verbracht mit dem Namen Playa Sucia (also dreckiger Strand)... vll um Gringos abzuschrecken... war nämlich einer der schönsten Strände, die ich je gesehen habe. An dem Abend als wir ankamen sind wir dann also mal wieder Mofongo Essen gegangen, danach Eis und haben dann noch ein bisschen das Zentrum erkundet. Sehr schön. Mayagüez ist sowas wie das Tübingen PR. Voll mit Studenten und wenn die nicht da sind, ist tote Hose. Jedenfalls sind wir dann noch Domino spielen gegangen (jetzt blick ich endlich warum die alten Männer in den Cafés immer so wichtig machen! Kann man nämlich auch als Strategiespiel spielen!!!) und ich hab ohne es so richtig zu verstehen mit meinem kolumbianischen Spielpartner das Spiel gegen Javier und Esther gewonnen. Weiß zwar nicht wie, aber immer wenn der gegenüber mir anerkenned zugenickt hat, war was richtig... Danach noch Billard spielen und dann ins Bett fallen. Tags darauf ein typisches Frühstück in einem netten Café und dann der eben schon erwähnte dreckige Strand... Um den ganzen schönen Aufenthalt noch abzurunden, war abends typisch kochen angesagt. Alle mit Sonnenbrand und zu viert (Orbans Freundin hatte sich dezent zurückgezogen) in einer kleinen Küche gab es dann Kässpätzle, Bananenbrot und etwas Flanartiges... Danach noch einen Film, der von der Hälfte der Zuschauer verschlafen wurde und danach noch eine heiße Diskusion mit Orban über die politischen Zustände... Was er so erzählt hat, hat mich ziemlich an Mexiko erinnert. Und das obwohl PR ja eigentlich unter Einfluss der Amis steht. Was seine positiven und negativen Seiten hat. Positiv ist bestimmt, dass es dort noch lange nicht so viel Armut gibt wie hier in Mexiko und ich darauf auch die größere Lebensfreude und das ständige Lächeln der PR zurückführe. Die Amis haben sowas wie ein Bonsystem eingeführt und jeder hat zumindest Essen. Was zum gleichen Problem führt wie in Deutschland. Es gibt Leute, die eigentlich arbeiten könnten, es aber nicht machen, weil sie mit Staatshilfe mindestens genauso gut wenn nicht besser leben, als wenn sie arbeiten würden... Ein weiteres Problem ist, dass es in PR kaum selbstständige Industrie gibt. Die gesamte Wirtschaft hängt von den Amis ab. Die paar pharmazeutischen Firmen, sind dort um Arbeitsplätze zu schaffen. Jedoch gehen alle Abgaben über den großen Teich und nichts bleibt in PR. Außer den Arbeitsplätzen. Immerhin... Jedoch haben sich die PR so von den Importationen abhängig gemacht, dass die Landwirtschaft kaum mehr etwas produziert und das meiste Land brach liegt. Alles Obst usw wird importiert, was die Lebenshaltungskosten natürlich nicht unbedingt verringert. Die jungen Akademiker wandern aus, weil sie in PR keine Arbeit finden. Der Governeur hat, wie schon erwähnt, einfach mal dreizig tausend Staatsangestellte entlassen und will demnächst alles privatisieren. Strom, Wasser, Flüsse, Strand... alles... krass. Dann gibts bald keine kilomterweiten Sandstrände mehr, die für jeden zugänglich sind. Dann haben nämlich dicke Amirentner die Grundstücke mit Strand aufgekauft und abgesperrt... Schreckliche Vorstellung. Dem vorigen Governeur, der der erste aus der Mittelschicht war, wurden alle Reformversuche untersagt, da die Mehrheit im Parlament bei der Oposition lag. Scheinbar hatte er gute Ideen. Konnte in den vier jahren aber nichts umsetzen und wurde dann von der Oposition auch noch des Betrugs beschuldigt. Neutrale Untersucher haben aber nichts gefunden. Der erste, der es scheinbar ernst meinte... und der jetzige ist erst seit Januar im Amt und scheinbar extrem unfähig...
Genug Politik. Am nächsten Morgen ging es verschlafenerweise dann wieder Richtung San Juan mit einem kleinen Zwischenstopp in Arecibo bei Martha. Esther hatte Martha am Flughafen kennengelernt, als sie die Nacht über auf ihre nächsten Flug wartete. Und wir wurden von ihr dann auch gleich zum Essen eingeladen. Also erwartete und die ganze Familie zum Mittagessen und wir waren total in Panik, weil wir auf dem Weg zum Treffpunkt eine Caseta (Zahlstelle) durfahren hatten, ohne zu bezahlen... Höchststrafe 600$ heul... wir armen kleinen Touris... Haben uns dann aber beruhigen lassen und ein nettes Familienessen genossen. So eine süße Familie... und so gastfreundlich. Und dabei kannten sie uns ja gar nicht... Können wir Deutschen uns noch was von abschneiden... Nachdem wir uns den Bauch dann voll geschlagen hatten, brachten wir das Auto wieder zurück, heulten ein bisschen rum (wobei die drei Männer der Autovermietung uns ganz schnell beruhigt hatten, dass das alles kein Problem sei und sowas ständig passiere) und schafften es dann sogar mit Hundeblick, dass uns einer der Angestellten zur „Busstation“ brachte, die etwa eine halbe Stunde entfernt lag. Dort verhandelte er dann noch mit dem Publicofahrer über den Preis und unsere Fahrt nach Fajardo war gesichert. Ein bisschen abenteuerlich aber schließlich kamen wir dann am Hafen von Fajardo an, von wo die Fähre nach Vieques ging. Abends dann in Vieques mit seltsamem Taxisystem (Privatpersonen, die einfach warten, bis die Fähre kommt) ging es mal wieder auf einen Campingplatz, wo uns die Ameisen nur so erwarteten. Nachts das Zelt aufgeschlagen (was wir überraschenderweise gut und schnell hinbekommen haben) und am nächsten Morgen mit traumhafter Aussicht aufgewacht. Wofür in ein fünf Sterne Hotel, wenn man so einen Strand direkt vor der „Tür“ hat? Also ein chilliger Morgen, ein kleines Unwetter und dann die Gegend erkunden. Esther und ich also am Posen und da fragt uns doch der typische Surferboy mit blonden Haaren und Sonnenbrand, ob er nicht ein Foto von uns machen soll. Klar. Und wir dachten der wäre einfach nur nett. Von wegen. Wollte uns ne Tour für die Nacht verkaufen. Für die Bioluminiscent Bay. Nach Preisvergleichen mit anderen Anbietern sind wir dann doch mit dem Indiana (glaub ich) – boy losgezogen, der übrigens eigentlich Immobilienhändler ist, keine Häuser aber mehr verkauft und deswegen vor seinen Schulden nach Vieques geflüchtet ist und sich seinen Unterhalt jetzt mit Schnorcheltouren verdient. Also haben wir noch überteuert gegessen (das Dorf ist besetzt von Amis und komischen Läden... Leute nicht so sympathisch... weltschlechteste Bedienung), haben noch ein bisschen unseren Strand genossen und sind dann abends zu unserer Tour aufgebrochen. Und das war wohl mit das beeindruckenste dieses Urlaubs. Man fährt also mit Kanus in die Mitte einer Bucht die vom Meer fast komplett getrennt ist. Und bei jeder Bewegung der Paddel glitzert das Wasser... so schön. Der Höhepunkt ist dann mit hübschen orangenen Westen im Wasser rum zupaddeln und sich wie kleine Kinder zu freuen... War echt beeindruckend. Wenn man den Arm aus dem Wasser nimmt, glitzern die Arme und die wasserperlen, die von einem abtropfen sind wie lauter kleine Glühwürmchen. Jedenfalls war es wunderschön, bis ich nur knapp einer lebensgefährlichen Quallenattacke entkommen bin und durch mein Geschrei die männlichen Parts der Gruppe (drei Fussballeramis) auf ihr Kanu geklettert sind (anstatt uns zu retten... hätte ja auch ein Ungeheuer sein können) und wir dann wieder zurück gepaddelt sind. Also wirklich wunderschön... Auf der ganzen Welt gibt es nur sieben Orte. Einer war in Japan und den haben die aber kaputt gemacht, weil zuviel künstliches Licht und Touris. Jedenfalls sind das wohl Mikroorganismen die das ganze als Schutzmechnismus anwenden...
Den nächsten Tag haben wir dann leider mit Fähre fahren verschwendet, weil es zwischen den beiden kleinen Inseln Vieques und Culebra keine direkte Fähre gibt und wir also nochmal zurück nach Fajardo mussten. Dumm, dass beide Fähren um die zwei Stunden Verspätung jeweils hatten und wir echt die meiste Zeit des Tages nur mit rumsitzen, schlafen und lesen verbrachten.
Dann hatten wir noch einen schönen letzten Tag auf Culebra. An einem der schönsten Strände der Welt (laut dem discovry Chanel der zweitschönste), haben den Strand genossen, uns die Beine im Meer gekühlt wegen der ganzen Ameisenbisse und die Stunden gezählt, bis wir wieder in unserem Hotel in Old San Juan sind, wo es eine Dusche gibt, in der man auch mal den Bikini ausziehen kann (auf den Campingplätzen gibts nämlich nur Freiluftduschen...), eine Toilette zum hinsitzen und keine Ameisen!!! Sonntagmorgens ging es dann wieder zurück nach Old San Juan mit einem kleinen Flieger, wo ich mich erst mal diskriminiert fühlte. Esther und ich mussten 25 Dollar Übergewicht wegen unseres Gepäcks bezahlen, während die dicke Frau vor uns einfach mal mehr als das doppelte von unserem Übergewicht zusätzlich hatte (hab die Passagierliste gesehen) und uns einfach mal die Sicht versperrt hat... Jaja... ich weiß das ist moralisch nicht korrekt.... aber von dem Geld hätten wir einfach mal essen gehen können. Dann waren wir also wieder in Old San Juan, haben 6 Dollar für eine halbe Stunde Internet bezahlt (!!!!!!!!!!!!) und haben das Kulturfestival genossen, dass direkt vor unserer Hoteltür stattfand. Essen in allen möglichen Varianten... Schön schön... und ein letztes Mal zusammen durchs Zentrum bummeln... und die Erlebnisse und Erinnerungen repetieren.
Esther ist dann am nächsten Morgen zurück nach Deutschland... Horrortrip mit vielen Stunden Aufenthalt in amerikanischen Flughäfen. Mein Flug ging erst am nächste Morgen. Da ich aber zu geizig war, noch eine Nacht Hotel zu bezahlen, war mein Plan mich den ganzen Tag im Zentrum rumzutreiben. So lange wie möglich... Und dann abends ein Taxi zum Flughafen zu nehmen und die paar Stunden bis zum nächsten Morgen wie ein kleiner Asi mit Isomatte und Schlafsack auf dem Boden des Terminals zu verbringen. Hat auch ganz gut geklappt...
Hab meinen letzten Tag in San Juan genossen. Bin nochmal die Straßen entlang geschlendert, hab bis zum Sonnenuntergang unter einem Rießenbaum mit Fortaussicht gelesen und dann noch im Starbucks gechillt. Da lernte ich auch einen kennen, der mir mal wieder eine andere Seite von PR beschrieb. Jandres ist nämlich aus dem „Ghetto“-Viertel San Juans. Wo sie ihre eigenen Gesetze haben, wo nichts geklaut wird, weil man nämlich mit dem Leben bezahlt, wenn man sich das Gut eines anderen aneignet und wo die kleine Cousine von einer besseren Schule ausserhalb abgelehnt wir, obwohl sie die besten Noten hat und ettliche Preise eingesackt hat. Und das nur, weil sie aus La Perla ist. Das krasse ist, dass diesen beiden San Juans direkt nebeneinander liegen. Nur getrennt von einer Straße und La Perla zum Meer hin abschüssig. Links die schönen bunten Häuser, rechts die zum Teil verfallenen des Viertels, indem sich die Mehrheit der Einwohner das Leben mit Drogenhandel verdient...
Dann hab ich noch ein bisschen Zeit in der Hotellobby totgeschlagen, irgendwann ein Taxi rufen lassen und meine Assinacht im Flughafen verbracht, mit einer Stimme im Hintergrund, die immer irgendwelche Zollanweisungen in der Endlosschleife wiederholte. Zum Glück gibts Ohrstöpsel.
Am nächsten Morgen ging es dann über Miami (wo mich der Starbucksangestellte noch von meinem Hinflug kannte, weil ich nur in Spanisch bestellen konnte), nach Mexiko und dort mit dem Bus dann nach Puebla... Halb tot und am Verhungern... Wo Daniel dann mit lecker Essen wartete, dass er mir eigentlich auf dem Dach mit Sternensicht präsentieren wollte. Wäre da bloß nicht der böse Regen dazwischen gekommen...
Jaja.. in Puebla hat die Regenzeit wieder angefangen und ich renne nur mit Halstuch rum, weil es von einem Moment zum nächsten von warm zu kalt wechselt. Das macht einem das wieder eingewöhnen gar nicht so einfach... vorallem mit der Tatsache vor Augen, dass ich ja bald wieder in Deutschland bin und das noch überhaupt nicht realisiere... in weniger als einem Monat...

Dienstag, 2. Juni 2009

Mango-Fest in Chacaltianguis

Sehr sehr heiß... im Süden des Bundesstaates Veracruz in der Nähe des Städtchens von Daniel. Man kann nicht ohne Ventilator überleben... aber dafür ist alles wunderschön grün. Einen Tag ein nettes Dorf in der Nähe angeguckt und am nächsten Tag mit der Dorfgemeinschaft gefeiert und typische Sachen gegessen: Sopa de Panza (Bauchsuppe), Fleisch in Bananenblättern geschmort, rießen Tamales und mit krebsfleisch gefüllte Teigtaschen... hmmm...
Cosamaloapan

Dienstag, 19. Mai 2009

Abschiedsparty

Fiesta


da caro und ich ja bald gehen (caro noch viel eher als ich) und bevor sich all unsere freunde in die ferien begeben, haben wir relativ spontan noch eine abschiedsparty gemacht...
jetzt habt ihr mal eine idee von meinen leuten und ein bisschen auch von der wohnung...

Sonntags

Sonntags


Von meinem Arbeitskollegen Gau (Gaudencio) wurden wir sonntags aufs Familienfest mit anschließendem Dorffest und Rodeo eingeladen. Superliebe Familie, mega gastfreundlich, lecker Essen und sehr sehr typsiches Dorf...

Samstag, 2. Mai 2009

Oaxaca-Trip

Oaxaca

In Oaxaca leben 3,51 Mio. Menschen. Er beherbergt über 16 verschiedene Volksgruppen und ist daher einer der multikulturellsten Bundesstaaten.Oaxaca, einer der ärmsten Bundesstaaten Mexikos, wurde in einen Konflikt verwickelt, der nun schon mehrere Jahre andauert. Der Konflikt schwelt hauptsächlich in der Hauptstadt Oaxaca und wird dort maßgeblich von der Volksversammlung der Völker Oaxacas (APPO) organisiert. Die APPO fordert einen Rücktritt des Gouverneurs des Staates, Ulises Ruiz Ortiz. Ruiz wird vorgeworfen, durch Wahlbetrug an die Macht gekommen zu sein und den Bundesstaat korrupt zu regieren (so langsam frage ich mich echt, ob es auch einen Politiker gibt, der mit legalen Mitteln an die Macht kam. Der Gouverneur von Veracruz zum Beispiel hat dieses Amt inne, da er sich von einer Gruppe helfen lies, die Zetas heißen, den Drogemarkt an der Golfküste kontrollieren und Schutzgeldforderungen an Restaurantbesitzer und Diskothekenbesitzer abgeben. Zum Glück gehört dem Gouverneur ja die größte und "coolste" Disko. Muss wenigstens er kein Schutzgeld zahlen...)
Zurück zu Oaxaca: Durch seine komplizierte Geographie ist Oaxaca einer der Bundesstaaten, der viele unterschiedliche Klimazonen hat. Von eisigen Berggipfeln über die heißen, trockenen Wüstenregionen bis zur tropisch-warmen Küste ist alles anzutreffen.
Die erste sesshafte Besiedlung des fruchtbaren Oaxaca-Tals, einer Hochebene, die zahlreiche Höhlen aufweist, wird von US-amerikanischen Forschern durch Radiokohlenstoffdatierung auf ca. 1500 v.Chr. datiert. Wahrscheinlich waren die ersten Siedler Olmeken.
Circa um 200 v.Chr. wurde der Berggipfel von Monte Albán (weißer Berg) wahrscheinlich von Zapoteken abgetragen und die ersten Tempel wurden errichtet. Zwischen 200 v. Chr. und 300 n. Chr. dehnten sie ihren Einfluss auf ganz Oaxaca aus.
Zwischen 300 und 700 war die Stadt auf ihrem Höhepunkt und die Zapoteken beherrschten von dort aus ihr ganzes Reich in Mittelamerika. Nachdem die Zapoteken aus unbekannten Gründen um 950 Monte Albán verließen, wurde es von den Mixteken übernommen. 1458 besetzten die Azteken unter Moctezuma I Oaxaca. Der Nachfolger Moctezumas I errichtete einen Militärposten und die gesamte Region geriet in die Tributpflicht der Azteken.
Der spanische Eroberer Hernán Cortés eroberte 1521 das Tal von Oaxaca und bekam es 1528 von König Karl V. als Dank für die Eroberung Mexikos geschenkt. Dies machte ihn zu einen der reichsten Adligen Spaniens und er bekam den Titel "Marqués del Valle de Oaxaca". Im Jahre 1544 wurde mit dem Bau der Kathedrale in Oaxaca Stadt begonnen. 1812 wurde Oaxaca durch die Rebellen um José María Morelos eingenommen. Von 1847 bis 1852 war der spätere mexikanische Präsident Benito Juárez Gouverneur von Oaxaca. Sein bedeutendstes Zitat lautet „El respeto al derecho ajeno es la paz“, was so viel bedeutet wie „Friede ist der Respekt gegenüber dem Recht des Nächsten“. Dieser Satz ist auch in überdimensionalen Lettern auf einem Berg der Hauptstadt angebracht.

Soviel zum kulturellen Teil. Jetzt zu unserem Ostertrip...
Nach einer etwas anstrengenden Fahrt, kamen wir dann in Oaxaca-Stadt an. Bis jetzt eine der schönsten Städte, die ich hier entdecken durfte. Schöne Fußgängerzone, schöne Plätze, schöne Kirche, coole Läden, rießiger Markt, nette Menschen und an allen Ecken Mezcal. Das Getränk Oaxacas und sowas wie der Gegenpart zum Tequila. Beides aus Agaven, wobei man beim Mezcal aber nicht so streng ist wie beim Tequila und man auch andere als die Blaue benutzen darf. Markenzeichen ist der Wurm im Mezcal, was eigentlich eine Mottenraupe der Gattung Megathymus aus der Familie der Dickkopffalter ist und als Marketinggag gedacht war. Hat ganz gut geklappt und ist jetzt nicht mehr wegzudenken... Da wir das Wochenende vor Ostern in Oaxaca-Stadt waren, haben wir nicht nur einen Palmsonntagsumzug, sondern auch ein Konzert auf dem Zocalo miterleben dürfen. Sehr schön. Klassische europäische Komponisten. Schön... im Schatten mit ein bisschen Sonntagsmelancholie... und dann sind auch mal wieder zwei Welten aufeinander geprasst, denn für manche Mexis gehört Respekt vor der Musik und den Künstlern nicht umbedingt zur Allgemeinbildung. Also während der Stücke rumrücken, aufstehen, Sachen verkaufen und natürlich sich lautstark unterhalten. Irgendwann wurde es mir dann zu viel, als eine Marktfrau mit ihren Gütern auf dem Kopf sich mit ihrer Freundin hinter uns setzte und eindeutig nicht an der Musik sondern an der Sitzgelegenheit und Klatschaustauschmöglichkeit interessiert war. Und zwar in einer Lautstärke, dass ich ein ganzes Stück verpasst habe. Also versuchte ich, sie nett darauf hinzuweisen, dass ich doch gerne der Musik zu hören würde. Könnte ich doch, war ihre nette Antwort mit abfälligem Blick. Aber nicht wenn sie so rumschreit... war dann meine Antwort. Und daraufhin war dann auch ein paar Minuten Ruhe bis das nächste Omapärchen ankam und ich keinen Nerv mehr hatte und Daniel und ich auf den Markt gezogen sind...
Montags dann mal wieder ein Vocho-Zwischenfall, Monte Alban angucken und Caro einsammeln. Monte Alban war sehr sehr beeindruckend. Weiter oben ist ja schon der kulturgeschichtliche Teil dargestellt. Aber wenn man erst mal dort ist, ist meiner Meinung die Aussicht und die Weite das wirkliche Beeindruckende. Man hat Aussicht auf die angrenzenden Täler und fühlt sich ein bisschen wie auf dem Dach der Welt mit den erhabenen Pyramiden und Relikten.
Danach sind wir die Nacht durchgefahren bis Puerto Escondido und haben morgens, als wir ankamen und unser Zimmer noch nicht beziehen konnten, noch ein paar Stunden im Auto geschlafen... und uns dann von den Preisen schocken lassen. Durch die Osterferien sind die Preise einfach mal aufs doppelte angestiegen... Wie krass... und es war ein bisschen überlaufen... Haben dann aber noch den Tag genossen und am nächsten die ein entfernteren einsamen Strände aufgesucht. Schön... Nur zu viele Leute. Also sind wir weiter nach Mazunte. Ein kleines Hippie-Dorf. Und selbst das war Überlaufen mit seiner Hauptstraße aus fesgetretenem Dreck. Naja. Wenigstens nicht so arg wie Puerto... Und nachdem wir dann auch ein einfaches aber dafür billiges Zimmer gefunden haben, ging es gleich wieder ans Meer, wo wir dann auch durch Zufall Alicia mit Julio getroffen haben. Muss noch erwähnen, dass das Zimmer mit "Familienanschluss" war. Hühner die auf den Vocho scheißen und "Restaurant" von wo morgens schon eine Knoblauchfahne zu uns geweht ist. Aber war ja auch egal. Waren ja nur zum Schlafen dort.
Also zwei Tage Meer mit abends Essen am Strand, weil es ganz viele Strandbars gibt, die einfach Stühle und Tische in den Sand stellen und Essen mit jede Menge Mezcal anbieten. Oh! Hab ja unsere Mezcalkneipe in Puerto vergessen. Gegenüber vom Hostel (sehr praktische Lage) mit nettem Besitzer, der es als seine Berufung versteht, doofen Touristen die Kultur des Mezcaltrinkens näher zu bringen. Also nicht auf Ex! Sondern in Schlucken. Zum Genießen... Und alle möglichen Geschmacksrichtungen ausprobieren war jawohl ein Muss: Crema de Café, Crema de Mango, de Maracuja, Mezcal blanco de Pechuga (mit Hühnchen drin!!!), usw...
Und Mazatlan ist eben voll mit Hippies. Sehr süß... Verkaufen ihren selbstgebastelten Schmuck und genießen das Leben... und laut Alicia hat sie noch nie soviele schwangere Frauen am Strand gesehen. Was soll man da auch anderes machen? Gibt weder Handyempfang noch Internet noch sonst was. Das Leben spielt sich am Strand ab. Und das ist auch gut so... Glaub in ein paar Jahren, wird es genauso überlaufen werden, wie die anderen Orte um es herum. Hab nämlich ne nette Ladenbesitzerin, die sich darüber gewundert hat, dass hier auf einmal so viele Güerros auftauchen, darüber aufgeklärt, dass ihr süßer Ort sowas wie der Geheimtipp im Lonely Planet ist. Und was das aus einem Ort macht, können meine Eltern ja anhand der Cinque Terre erklären....
Samstagsmorgens sind wir dann mit nem Boot rausgefahren auf der Suche nach Walen und Delphinen... Das Schicksal hat sich gegen mich verschwohren. Wieder nichts mit Wale gucken. Dafür ein paar Schildkröten und ein bisschen Schnorcheln. Danach Duschen, Mittagessen und den langen und vor allem kurvigen Weg zurück nach Oaxaca Stadt antreten. Hui. Wat ne Strecke... Aber sehr schön. Zum Glück hab ich beim kurvigsten Teil geschlafen... und dann konnte ich auch die endlosen Wälder und Täler genießen. Oh! Und ich muss euch gestehen, ich habe eine neue Sucht: Alebrijes! Die wunderschönen bunten Fantasietiere, die aus Oaxacas Märkten nicht wegzudenken sind. Sooooooo schön!
Was auch noch interessant war, das wir unterwegs ganz viele Familien getroffen haben, die es sich zum Teil auf der Ladefläche gemütlich gemacht hatten und auf dem Weg zu einer Jungfrau waren. Da waren wirklich Massen unterwegs. Und vorallem auch zum Teil in krassen Zuständen. Mit Decken für die Nacht ausgerüstet auf der Ladefläche oder auch stehend. Ist schon krass, was hier so ein tiefer Glaube alles bewirkt. Unterwegs wurden wir auch immer mal wieder zwangsangehalten. Aber nicht um ausgeraubt zu werden (wie es früher auf der Strecke gang und geben war), sondern um für das Fest des Ortsheiligen zu spenden. Und zwar macht man das ganz einfach hier: Ein Seil über die Straße spannen und trotz vehementen Winkens nicht senken. Sehr effektiv...
Nachdem wir dann mehr oder weniger fertig abends in Oaxaca-Stadt ankamen, haben wir Sonntags noch unseren letzten Urlaubstag genossen (musste Montags ja wieder arbeiten) und sind dann mit Unterbrechungen (siehe Vocho-Abenteuer) wieder in unser Puebla zurückgekehrt.

Montag, 30. März 2009

Tlaxcala

Tlaxcala

Tlaxcala


Nach einem Wochenende in Daniels Dorf im Süden von Veracruz (lasst euch den Namen auf der Zunge zergehen: Cosamaloapan), einem ruhigen Wochenende in Puebla und einem folgeneden noch ruhigeren (wegen Erkältung) sind wir dann vergangenes Wochenende nach Tlaxcala. Hauptstadt des gleichnamigen und kleinsten Bundesstaates Mexikos. Der Lonely nennt es „eine verschlafene Kolonialstadt... die besonders Traveller schätzen, die nach einer ruhigen Stadt fernab vom Tourismus suchen.“ Und das trifft es echt ganz gut. Sehr süße kleine Stadt mit Charme, nettem Zocalo, kleinem Kunsthandwerkmarkt und schöner Wallfahrtskirche. Haben in einem total süßen Hotel in einem Gebäude aus dem sechzehnten Jahrhundert direkt am Zocalo eingecheckt. Wunderschön und in Deutschland einfach nicht erschwinglich... Aber hier schon! Es lebe Mexiko!
Haben Samstags also das Zentrum erkundet, sind über den Markt geschlendert und die letzten Sonnenstrahlen am Pool genossen. Das coolste an Tlaxcala ist nämlich auch, dass es sehr nah an Puebla ist. Ne dreiviertel Stunde mit dem Bus... für sechzehn Pesos (weniger als ein Euro). Da war das Taxi zum Hotel dann teurer... Manchmal sind hier die Verhältnisse so verschoben... Naja.
Sonntags haben wir dann den Opas mit ihren Enkeln beim spielen zugeguckt, da der ganze Zocalo für den Verkehr gesperrt war. Es gab Stände mit Geschicklichkeitsspielen, eine Bühne für Künstler z.B. eine Tanzgruppe aus Litauen, Clowns und eine Hopsburg vor der Kirche. War echt schön, dem bunten Treiben zuzuschauen und sich mit einem Kaffee in der Sonne zurückzulehnen. Der Plaza de la Constitución (Zocalo) wird im Lonely als einer der schönsten Mexikos bezeichnet und wirklich... mit dem Palacio Municipal und dem Palacio de Justicia, beide aus dem 16. Jahrhundert, dem Palacio de Gobierno und der hübschen Kirche „Parroquia de San José“ mit rosa Kacheln... Damit wir dann auch noch ein bisschen Bewegung hatten, sind wir auf den Berg geklettert, wo uns eine wunderschöne Wallfahrtskirche erwartette. Santuario de la Virgen de Ocotlán. Eine berühmte Pilgerstätte, weil angeblich im Jahr 1541 dort die Jungfrau erschienen ist. Die klassische Fassade ist im Churriguera-Stil, mit weißem „Hochzeitstortendekor“ aus Stuck – als Kontrast zu den roten einfachen Ziegeln. Und dem strahlend blauen Himmel... Und nachdem wir den Berg dann wieder runtergeschlendert sind haben uns noch den ehemaligen Konvent, der eines der ersten Kloster Mexikos war, mit einer hübschen Allee hinführend angeschaut. Und nach ein bisschen suchen auch die Stierkampfarena, für die Tlaxcala bekannt ist, entdeckt.
Zum Busterminal brachte uns dann ein melancholischer Taxifahrer, der uns innerhalb von zehn Minuten seine komplette Lebensgeschichte erzählte inklusive des Verlassenwerdens von seiner Ex, nach fünfunddreizig Ehejahren. Wir sollen bloß aufpassen!?!
Busrückfahrt nach Puebla mit Sicht auf Sonnenuntergang am Popo... was will man mehr von einem Erholwochenende?!
Karneval

Carnaval en Veracruz

Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber jetzt endlich die Fotos vom Karneval...
War am Wochenende vom 21. Februar und eigentlich gibt es nicht so viel zu erzählen. Glaube die Bilder sind ziemlich aussagekräftig  Wir: Caro, die beiden Daniels, Alicia und Anne (Praktikantinnen von VW), Malte (mit Verspätung)und ich. Nach einer späten aber gemütlichen Busfahrt kamen wir dann in Veracruz an, das in ganz Mexiko für seine Karnevals-Festivitäten bekannt ist. Massen unterwegs... und das auch nachts um 2 als wir dort ankamen... Sind dann direkt zu Daniels Wohnung, am Pool noch ein bisschen getrunken (die einen mehr, die anderen weniger...), versucht Luftmatrazen per Mund aufzupusten und Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln... Am nächsten Morgen ist dann der fittere Teil der Gruppe zum Gaucho zum frühstücken (mein Lieblingsrestaurant und Mama weiß warum, gell?) und danach nochmal eine Runde am Strand Kräfte sammeln. Ist ja zum Glück nur zwei Blocks von der Wohnung und so waren wir dann auch gerüstet, als uns Emilio (Freund von Daniel) dann abgeholt hat und wir erst mal Reserven kaufen gegangen sind, die wir dann in der Wohnung eines anderen Kumpels, die nahe am Geschehen gelegen ist, gelagert haben. Nach einer kurzen Essenspause ging es dann auch zu den Tribünen, wo der Karnevalszug vorbeizieht. Hatten ja brav im Vorraus Karten gekauft (naja... mehr Emilio als wir) und wollten dann auch unsere Plätze in Anspruch nehmen... Waren aber scheinbar zu spät und so wurden wir wieder mal Zeugen der mexikanischen Mentalität indem Emilio dem Typen am Tor des Zaunes hundert Pesos hingestreckt hat und dann waren wir auf einmal doch nicht zu spät... Umzug war ganz cool. Vorallem schön bei warmen Wetter und nicht wie in Deutschland, wo man immer drei Paar Socken anziehen muss...
Haben dann die Schaar an Wagen und Salsagruppen mit unseren mitgebrachten Mixturen genossen und ich mich gewundert, wo denn die ganzen „Gays“ sind von denen mir jeder erzählt hat. Der Karneval wird nämlich eigentlich nur mit Party und Schwulen verbunden... Und die meisten hab ich am Busterminal auf dem Rückweg gesehen... Vielleicht sind sie einfach auch nicht so spießig wie wir und haben Tribünenplätze 
Danach noch ein bisschen Weggehen, am nächsten Tag ausschlafen und ganz Tapfere sind sogar in den Pool (hab ich gehört...). Nochmal lecker Essen im Gaucho und dann war es auch schon wieder vorbei... unser Wochenende der bunten Wagen, tanzenden Frauen und ein bisschen zu viel Alkohol...

Dienstag, 24. März 2009

Tauchen auf Isla Mujeres

isla mujeres

auch wenn es ein bisschen gedauert hat... meine ersten Tauchbilder! yeah! :-)
gar nicht so einfach hier Bilder zu digitalisieren...

Montag, 9. Februar 2009

Samstag, 7. Februar 2009

Cuernavaca und Taxco

So, damit ich meinen Blog endlich auf dem neusten Stand habe...
Letztes Wochenende war Dank der Constitución ein verlängertes. Juhu!
Daniel und ich sind also nach Cuernavaca, der Hauptstadt von Morelos und Zufluchtsort der reichen Mexiko Städtlern, gefahren. Insgesamt eine nette Stadt mit Flair und vie Kultur. Haben also die Stadt erkundet, die vorallem wegen ihres angenehmen Klimas so beliebt ist. Um 1200 n. Chr. entwickelten die ersten Siedler im Tal des heutigen Morelos eine äußerst produktive Landwirtschaft mit dem Zentrum in Cuauhnáhuac (Name der Stadt in Nahuatel, der so viel wie "Ort am Waldrand" bedeutet). Die herrschenden Mexica (Azteken) nannten diese Siedler Tlahuica (Menschen, die den Boden bearbeiten). 1379 unterwarf ein Mexica Fürst die Tlahuica und verpflichtete sie zu einer Tributzahlung. Der Nachfolger des Mexica-Fürsten heiratete die Tochter des früheren Herrschers und aus der Ehe ging Moctezuma I. hervor, der ein Vorgänger von Moctezuma II. war, auf den Cortés traf. Unter den Azteken entfalteten die Tlahuica eine rege Handelstätigkeit und kamen zu Wohlstand. Ihre Stadt war ein Zentrum der Bildung und der Religion. Als die Spanier ins Land kamen, waren die Tlahuica den Azteken treu ergeben. Im April 1521 wurden sie schließlich besiegt und Cortés brannte die Stadt nieder. Nachdem er auch die Pyramide zerstört hatte, erbaute er auf ihrem Fundament und mit ihren Steinen den Palacio de Cortés, in dem heute ein Museum ist, was wir uns gleich mal als erstes angeschaut haben. Der Name Cuernavaca setzte sich dann auch durch, da er den Spaniern leichter von der Zunge ging...
Nachdem wir das Museum erkundet hatten, das einen Rundschlag durch mehr als 2000 Jahre Geschichte macht, haben wir uns noch ein bisschen auf den schönen Plätzen rumgetrieben, Limonade getrunken (gibt nichts feineres als Limonade aus frischen Limetten), haben uns die Kathedrale angeguckt und nach einer Verschnaufspause ein Essen beim Italiener gegönnt.
Am nächsten Tag sind wir dann nach einem typsich mexikanischen Frühstück mit Tortillas, Rührei und Kaffee zu den nahegelegenen Pyramiden Teopanzolco. Das coole an diesen Pyramiden ist, dass um eine alte Pyramide eine Jüngere drum herumgebaut wurde und die Tlahuicas damit gerade beschäftigt waren, als Cortés ankam. Und so kann man heute auf die Jüngere klettern und auf die Alte runterschauen. Anosnten ist die Anlage eher klein. Aber ich fand beeindruckend, dass sie mitten in einem Wohngebiet gelegen ist. Wie cool ist das denn? Pyramiden als Nachbarn zu haben...
Danach haben wir noch ein kleines Museum besichtig, was alte Foto ausgestellt hatte und sind eine Schlucht entlang gegangen um dann beim Markt herauszukommen. War total schön, weil er draußen war und ganz verwinkelt mit viel Stufen und Kurven. Süß war auch, dass ganz viele mit Puppen im Arm rumliefen. Aber ich darf die ja nicht Puppen nennen. Sondern das waren Ninos dioses... kleine Gottkinder oder so, die die Frauen am Tag darauf in einer Verkleidung in die Kirche gebracht haben um sie dort weihen zu lassen. Die Verkleidung hängt davon ab, was gerade zu hause gebraucht wird. Ist es zum Beispiel Gesundheit, wird das nino Dios als Doktor verkleidet usw.
Nach der Markterkundung ging es dann mit dem Bus weiter nach Taxco. Der Silberstadt des zentralen Mexiko.
So wunderschön. Hab mich ein bisschen in die Stadt verliebt. Hat so viel Charme und Ausstrahlung.... Das schöne an dieser Stadt ist, dass sie total verwinkelt ist und ganz viel kleine Gassen hat, die dann hinter der Kurve in einem schönen Platz enden. Hat mich ein bisschen an die Städte der Toskana oder der ligurischen Riviera erinnert. Ach... war einfach schön nur durch die Gassen zu schlendern und zu schauen, wo man rauskommt. Haben also den Tag und den darauf folgenden nur mit Gassen erkunden und Aussicht genießen verbracht. Zwischendurch mal Kaffee getrunken oder über den Markt geschlendert, wobei ich auf dem Markt meinte, ich müsste unbedingt eine einheimische Spezialität probieren. Jumíles. Käfer. Vom Aussehen her wie Stinkkäfer... und um ehrlich zu sein bin ich jetzt ein bisschen in meiner Experimentierfreudigkeit gehemmt. Die guten Viecher haben nämlich noch gelebt, als die Frau vom Essensstand sie mir in ner Tüte vor die Nase gehalten hat. Dachte die würden fritiert werden. Aber nein... Werden zusammen mit grünen Tomaten und Koriander und Chili in der Steinschale zerrieben und dann so als Soße auf den Quesadilla gegeben. Konnte nur eine Portion essen... Wenigstens hat es Daniel auch nicht geschmeckt und der ist immerhin Mexikaner...
Abends ging es dann schon wieder zurück nach Puebla. Leider... Aber wir kommen auf jeden jeden fall zurück! so schön....

Freitag, 6. Februar 2009

Mittwoch, 4. Februar 2009

Ruta Maya mit Mama

Weiter geht’s im fleißig Blog-Text-schreiben/lesen…
Nachdem ich also einen Tag „Verschnaufspause“ hatte, den ich eigentlich nur mit Zimmer putzen und mich einrichten verbracht habe, kam dann auch schon die Mama aus Los Angeles angeflogen. Und zwar ganz früh morgens, so dass ich hier in Puebla noch viel früher morgens los musste… Hat alles geklappt und Mum war erst mal ganz fasziniert von den modernen Bussen, die es heutzutage in Puebla gibt und nicht so wie vor dreißig Jahren, als sie das letzte Mal hier war und mit Hühnern und auf Holzbänken reisen musste. Nein nein… die Busse sind mit Klimaanlage (die meistens zu kalt eingestellt ist), Fernseher und Radio ausgestattet, was beides am besten gleichzeitig läuft.
Nach einem ruhigen ersten Tag und ein bisschen Puebla erkunden, durch die Straßen schlendern, auf dem Zocalo Kaffee trinken und Pozole essen (lecker Suppe mit Hühnchen, aufgequollenem Mais und Salat), sind wir tags darauf dann nach Cholula. Wieder ein Markt, der Mama total glücklich gemacht hat. Die Farben, die Früchte, das Angebot… bestimmt auch das Flair… Haben dann blaue Quesadillas mit Kürbisblüten und Pilzen gegessen, was jetzt schon so was wie ne Tradition ist. Cholula, Markt, Quesadillas…
Mit Tüten voller Einkäufe haben wir auch brav das Standardtouristenprogramm absolviert und die vom Grundriss her weltgrößte Pyramide angeguckt, was ja eigentlich nur noch ein grüner Berg mit Kirche obendrauf ist. Trotzdem ganz cool, weil man sozusagen in den Berg reingehen kann und das Tunnelsystem der Erbauer erkundet. Mama war begeistert und von oben hatten wir dann auch eine wunderschöne Aussicht auf die uns umgebenden Vulkane und Puebla. Und dann war es auch schon Weihnachten…
Trotz unserer tapferen Versuche ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, war es eben doch nicht das gleiche… wie denn auch… Mama in kurzer Hose und T-shirt unterwegs, draußen scheint die Sonne und wir hatten nicht mal Weihnachtsmusik. Aber dafür waren wir dann lecker Essen und haben eine kleine Bescherung gemacht. Nur der obligatorische Kirchgang hat gefehlt… aber immerhin haben wir es versucht und ein bisschen Stimmung kam dann doch auf, als wir „Aschenbrödel und die drei Haselnüsse“ geguckt haben. Fünf Frauen, zwei Flaschen Wein und ein Sofa…
Am ersten Feiertag haben wir dann die Ruhe genossen und ich versuchte verzweifelt, irgendein Internetcafé zu finden. Nichts. Die Straßen wie leer geblasen.
Tags darauf ging dann die Reise los. Zuerst nach Veracruz in die unendliche Hitze, wo wir von Daniel und seinem Kumpel abgeholt und in die Wohnung chauffiert wurden. Dann Meeresfrüchte essen und das Zentrum erkunden. Über den Zócalo schlendern, Kaffee trinken, die schöne alte Kirche bewundern und den Malecón am Meer entlang spazieren. Abends lecker Essen beim Argentinier  wenigstens hat Mama was typisch Mexikanisches bestellt.
Am nächsten sind wir dann über Xalapa (Hauptstadt des Bundesstaates Veracruz) nach Coaltepec (ein süßer kleiner Ort mit Orchideen, umgeben von Hügeln mit Kaffeefeldern) und von dort dann weiter nach Xico, Wasserfälle angucken und die schöne Natur genießen. Leider hatte sich Mum in Coaltepec an einen Salat getraut und so war für sie die Übernachtfahrt nach Palenque nicht so angenehm. Aber sie hat sich tapfer gehalten und nachdem ich uns dann im Dschungel von Palenque auch eine Cabaña erkämpft hatte, konnte sie mittags sogar die Pyramiden besichtigen. Das Grab der „roten Königin“, der Tempel der Inschriften und eine kleine Dschungeltour. Auch wenn ich jetzt das dritte Mal in Palenque war, hatte ich nicht das Gefühl mich zu langweilen. Viel mehr habe ich jedes mal mehr das Gefühl, dass es noch soviel zu erfahren und erkunden gibt und ich war bis jetzt jedes mal zutiefst beeindruckt von dieser Ansammlung an prähispanischem Wissen.
Hab Mama ja nicht davor verschont, mitten im Dschungel zu wohnen, aber wenn man in Palenque ist, muss das einfach sein. Es gibt nichts schöneres, als dieses unendliche Grün, die Geräusche der Tiere, die angenehme Kühle und dann der erfrischende Regen, der von allen Blätter tropft…
Von Palenque aus haben Mum und ich dann die Wasserfalltour gemacht, die ich damals auch mit Franzi gemacht habe und die mich damals so beeindruckt hat. Also hatte ich natürlich nichts Besseres zu tun, als Mum die ganze Zeit von den unglaublichen Farben eines Flusslaufes zu erzählen. Und was mussten wir feststellen? Das die Zapatisten einfach mal eine der drei Stellen, die normalerweise auf dem Programm stehen, besetzt halten. Und dann natürlich die Schönste, von der ich Mum die ganze Zeit vorgeschwärmt habe… Aber ihr hats trotzdem gefallen. Ist auch wunderschön… So viel Natur… und Wasser… und blau… und grün…und ein paar Mexis, die ihre wenigen Tage Urlaub genießen…
Wikipedia sagt dazu:
Die Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN, deutsch: „Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung“) ist eine indigene Guerillaorganisation in Chiapas, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos, die am 1. Januar 1994 mit einem bewaffneten Aufstand erstmals öffentlich in Erscheinung trat und sich seitdem mit politischen Mitteln für die Rechte der indigenen Bevölkerung Mexikos, aber auch generell sich gegen neoliberale Politik und für autonome Selbstverwaltung einsetzt.
Der Name ist eine Referenz an Emiliano Zapata, einen der historischen Führer der mexikanischen Revolution, in dessen Tradition sich die EZLN sieht. Daher werden sie auch Zapatistas (oder auf Deutsch „Zapatisten“) genannt.
War also ein schöner Tag, auch wegen unseres netten Busfahrers, der uns die ganze Zeit Sachen erzählt hat und an schönen Plätzen angehalten hat, damit Mama ihre Panorama Fotos machen konnte. Abends ging es dann gleich wieder weiter mit dem nächsten Nachtbus nach Mérida. An den Golf von Mexiko, nachdem wir in Palenque am Busbahnhof gerade noch den sintflutartigen Regenfällen entkommen konnten, die den ganzen Terminal unter Wasser gesetzt hatten…
Morgens in Mérida angekommen, sind wir dann gleich in unser Hostel und mit ein bisschen Charme und Überredungskunst konnte ich uns ein Zimmer mit Balkon und Sicht auf den Zócalo ergattern. Kam mir ein bisschen wie auf Kuba in Havanna vor. Hohe Decken, Stuck an den Wänden, Sonne und Leben…
Unseren ersten Tag in Mérida haben wir ganz ruhig verbracht, uns von der Busfahrt erholt, die Stadt erkundet und sind dann durch Zufall auf Karten für die Nussknackersuite gestoßen. Schöner Abend in einem fast leeren Theater. Den Tag darauf haben wir eine Flamingo-Tour mit Fisch-Mittagessen und Strandrumliegen gemacht. War schön ruhig und Mum konnte sich über die Flamingos freuen. Das schärfste an dem Tag war wohl das Paar, das mit uns im Boot saß. Deutsches Ehepaar, beide ein bisschen kräftiger und im kompletten Karmoflageoutfit… Mama und ich also überzeugt, dass die beiden doch bestimmt das erste Mal in der großen weiten Welt sind. Aber nein, wir sollten uns schwer getäuscht haben. Die beiden waren nämlich das Jahr zuvor in Costa Rica, davor in Columbien und davor auf einer Safari-Tour durch Halbafrika… Soviel zu unserer Menschenkenntnis.
Unser Flamingotag war gleichzeitig auch Silvester und so haben wir uns ein schönes Essen beim Italiener gegönnt und Mum hat sich schon frühzeitig zurückgezogen, sodass ich in das neue Jahr mit zwei Pärchen aus dem Hostel reingefeiert habe und danach noch einen Kumpel getroffen habe, den ich damals mit Franzi kennen gelernt hatte. War ein bisschen komisch, jemanden nach so langer Zeit wieder zu treffen, der so sehr mit einem Bild von Mexiko und einem Gefühlszustand von absoluter Freiheit verbunden ist… war auf jeden Fall nett, mich mal wieder mit ihm zu unterhalten.
Morgens ging es dann nach Chichen Itza weiter, mit einem Guide, dem man die Silvesternacht nicht nur ansah sondern auch „anroch“. War leider nicht so der Glückstreffer und so ging wohl ein bisschen der mathematischen Genialität an uns vorüber auch wenn wir ganz viel von neunen, siebenen und elfen gehört haben…
Bei der Tour war dann auch noch ein Kurzausflug zu einer Cenote dabei. Eine Cenote (Spanisch; Mayathan ts’ono’ot, in Ortsnamen meist dzonot) ist ein schachtartiges Kalksteinloch, das durch den Einsturz einer Höhle entstanden und mit Süßwasser gefüllt ist. Der Begriff stammt von den Maya der mexikanischen Halbinsel Yucatán, wo es mehr als 3000 Cenoten gibt. Sie besitzen im Durchschnitt eine Tiefe von etwa 20 Metern, vereinzelt auch von einigen 100 Metern. Cenoten entstehen in Karstgebieten. Durch die Auflösung des Kalkgesteins bilden sich Höhlen und unterirdische Wasserläufe. Brechen die Decken dieser Höhlen ein, so entstehen Tagöffnungen, die bis zum Grundwasser reichen und sich mit Regenwasser füllen können. Heute ist bekannt, dass viele der Cenoten auf Yucatán mit dem vermutlich größten zusammenhängenden Höhlensystem der Welt in Verbindung stehen, das sich unter dem Boden der Halbinsel über eine Gesamtlänge von 133 Kilometern erstreckt. Die Gesamtlänge aller Höhlensysteme ist jedoch sehr viel größer. Bei der Erforschung wurden und werden die Cenoten als Einstiegslöcher für die Forscher genutzt. Daher betrachteten die Maya sie nicht zu Unrecht als Eingänge zur Unterwelt und nutzten sie als religiöse Opferstätten. Danach ging es weiter nach Tulum in ein bisschen alternatives Hostel, das aber immerhin direkt neben den Pyramiden liegt und Mum und ich somit morgens ganz früh sogar noch vor dem Frühstück die Pyramiden ohne die typischen Touristenanhäufungen genießen konnten. Daraufhin haben wir mit einem ganz lieben Taxifahrer auf eigene Faust eine Cenote in der Gegend erkundet und uns in eine andere Welt entführen lassen. Hab geschnorchelt und war einfach nur hin und weg, weil man sich wie an einem anderen Ort vorkommt. Alles total mystisch und irreal…
Sind dann in unsere Cabaña mit paradiesischer Meersicht eingezogen und haben noch ein bisschen das Meer und den Flair genossen. Ach… das Leben kann schon schön sein… Und dann war tags darauf auch schon Mums Geburtstag. Frühstück im Bett mit Meersicht und Wellenrauschen… was will man mehr? Eine Maya Spa Massage  So hatte Mum ihren wohlverdienten RelaxGeburtstag und ich eine zufriedene und strahlende Reisepartnerin. Abends dann noch mal kurz umziehen in die Anlage daneben und eine noch paradiesischere Cabaña in Beschlag nehmen. Sooooooo wunderschön. Mit eigener Badebucht und wir haben jede Sekunde genossen…
Von Tulum ging es weiter nach Cancun und mit dem Boot nach Isla Mujeres. Und das war dann wohl ein Schock für Mum. Das ruhige Tulum mit seinen einsamen Stränden und der Ruhe und dann Isla Mujeres, das ein bisschen überlaufen von den lieben Nachbarn aus dem Norden ist. Noch dazu, dass Mum es vor dreizig Jahren nahezu einsam kennen lernte mit zwei Hotels; wenn überhaupt. Und heute? Der ganze Strand verbaut. Muss sagen, ich war auch ein bisschen geschockt, weil es damals mit Franzi sehr viel ruhiger zuging und kaum Touristen da waren. Nur ein paar Backpacker… Aber da hab ich wohl die Hauptsaison unterschätzt. Und trotzdem war es total schön, weil es ja dort das unglaubliche türkise Meer von Cancun gibt, es aber trotzdem noch ein bisschen ruhiger und gediegener als im Mallorca der Amis zugeht. Hatten unseren Privatstrand, auch wenn das Hotel ein bisschen unpersönlich war. Aber besser als Mehrbettzimmer, vor denen Mum geradezu panische Angst hatte. Hab sie aber davor verschohnt… Man muss es ja auch nicht gleich übertreiben bei der ersten Backpacker-Erfahrung. War ja schon ganz stolz auf sie, dass sie mit mir mit dem Rucksack unterwegs war.
Haben also unsere letzten Tage mit Sonnenbaden, Lesen und lecker Essen verbracht. Einen Tag haben wir die Insel per Roller unsicher gemacht, was mich an meine Baggerseezeiten erinnert hat und echt Spaß gemacht hat, zumal wir immer die lahmen Golfwagentouris überholen konnten. War auch schön, weil wir halten konnten, wo wir wollten, Aussicht genießen und an einer Stelle mit ganz vielen Fischen schwimmen und relaxen… Und tags darauf konnte ich dann auch endlich mal meine Tauchkenntnisse zum Einsatz bringen. War so schön und ich hab sogar Schildkröten gesehen, die ja ein Mitgrund für mich waren, mich vier Wochen lang in Tübingen Samstagmorgens um sieben ins Freibad zu quälen. Aber hat sich gelohnt. War echt schön…
Was auch noch cool war: Haben das Pärchen wieder getroffen, mit dem ich Silvester gefeiert hab und da wir uns alle so gut verstanden haben, haben wir uns dann zusammen an die Speiskarten gewagt und sogar ein paar Glückstreffer gelandet. Wohl vor allem Mama mit ihrer Fischplatte…
Schweren Herzens sind wir dann am letzen Tag mit dem Boot wieder nach Cancun zurück und haben noch ein letztes Mal wehmütig das türkise Meer betrachtet… War schon sehr schön. Hatten echt eine schöne Zeit, auch wenn es manchmal wegen Hochsaison und mexikanischer Mentalität nicht immer ganz einfach war. Und Mum und ich haben uns sogar die Zeit über besser verstanden, als ich gedacht hätte… Hätte gedacht, dass wir uns nach ein paar Tagen auf die Nerven gehen oder streiten. Aber nein… Hat alles geklappt und wir haben uns als Team glaub ich ganz gut ergänzt. Bin stolz auf meine Mama, dass sie das mitgemacht hat und stolz auf die daheim gebliebenen Männer, dass sie auch mitgemacht haben… und natürlich auf die Katze, die unter Mamas Abwesenheit wahrscheinlich am meisten gelitten hat...
Und damit uns der Abschied von der Karibik nicht so schwer viel hat dann in Cancun noch der Himmel zum Abschied geweint

Donnerstag, 29. Januar 2009

Dienstag, 27. Januar 2009

Baja California

„Sonnenverbrannte Wüsten, wilde Sierras, verkrüppelte Boojum-Bäume und surreale Felsformationen. Dazu Wale, jede Menge Pflanzen und Tiere…“,
so der Lonely Planet über Baja California.
Aber angefangen hat unser Abenteuer am westlichen Rand Mexikos in der zweitgrößten Metropole Mexikos. Nämlich Guadalajara. Vier Millionen Einwohner auf 1540 Meter. Marie und ich waren gespannt. So viel hatten wir schon von dieser Stadt gehört. Manche bezeichnen sie als die schönste. Andere schwärmen von dem Centro Histórico, den Stierkämpfen und dem Charme. Um ehrlich zu sein waren wir ein bisschen enttäuscht. Wir haben das Kulturprogramm abgehackt und alle wichtigen Gebäude abgeklappert. Und trotzdem ist der Funke nicht übergesprungen. Inzwischen vermute ich, dass wir wohl von Puebla einfach zu verwöhnt sind. Hier gibt es kleine Gassen, das Zentrum ist ruhig und gemütlich, an jeder Ecke findet man eine Kirche und sonntags sind die Gassen im Zentrum voll mit Märkten, von denen jeder eine andere Spezialität hat. Es gibt den Antiquitäten- oder den Alternativmarkt, den Krempel- und Souvenirsmarkt. Guadalajara sonntags war für Marie und mich einfach nur Stress. Das Zentrum ist nicht vom Verkehr befreit und es sind so viele Leute unterwegs, dass ich mir wie am letzten Adventssonntag in München vorkam. Einfach zu viel. Und das konnten dann auch die schönen Gebäude das Zentrum nicht wieder gut machen… Zumal es am Zocalo also dem Hauptplatz einfach so penetrant gestunken hat, dass ich schon fast meine Grenze des erträglichen erreicht hatte…
Glücklicherweise haben wir dann noch ein sehr süßes Café gefunden und was man Guadalajara lassen muss: Es hat um einiges mehr stylische Klamottenläden als Puebla und die Leute sind sehr sehr nett! Zuvorkommend, hilfsbereit und lächeln sehr viel mehr. Die Eigenschaften, die man den Poblaner nachsagt, also eingebildet und unfreundlich zu sein wurde uns in Guadalajara ein bisschen bewusst. Nicht umsonst werden die Poblaner außerhalb Pueblas als „Pipope“ bezeichnet. PInchePOblanoPEndejo. Was soviel heißt wie „scheiß Arschloch Poblaner“…
Trotzdem: Marie und mir wurde wieder einmal bewusst, wie glücklich wir uns schätzen konnten, dass es uns nach Puebla verschlagen hat.
Also einen Tag haben wir uns von Guadalajara „flashen“ lassen, dann kam Daniel an und wir haben das Kulturprogramm gemacht und den dritten Tag sind wir dann geflüchtet. Und zwar nach Tequila! Sehr sehr cool. Vor allem weil ich ein überlaufenes Nest mit betrunken Touristen erwartet habe. War aber überhaupt nicht so. Ein schöner kleiner Ort mit sehr viel Charme inmitten von Agavenfeldern. Natürlich haben wir eine Tour gemacht und hatten das Glück an einen sehr guten Guide zu geraten. Rogelio. Hatten eine Privattour und er hat sich alle Mühe gegeben so ausführlich wie möglich auf unsere ständigen Fragen zu antworten. Also zuerst vorbei an ein paar Destillerien im Ortszentrum, dann vorbei an ein paar Agavenfeldern, wobei wir immer schön mit Insider-Infos über die Besitzer der Destilerien versorgt wurden, bis wir dann schließlich an der Destilerie „Rubio“ also Blonder, ankamen.
Dort haben wir dann den ganzen Prozess der Tequilaherstellung mitverfolgen können und ich muss sagen: sehr interessant.
Die Agavenpflanze muss nämlich mindestens acht Jahre wachsen, bevor ihr Herz, dass man piña nennt, die Größe eines Medizinballs erreicht und dann bis zu 150 kg wiegen kann. Dann kann sie geerntet werden. Daraufhin wird das Herz halbiert, in einen Ofen geschoben und bis zu drei Tage gekocht. Das weiche Material wird zerkleinert und gepresst, wodurch Saft entsteht, der im Gärbottich mit Hefe zusammengebracht wird. Für die Bezeichnung „100% Agave“ darf den Premiumtequilas ansonsten laut Gesetz nichts mehr zugesetzt werden. Billigere Varianten enthalten oft Zucker und manchmal auch Geschmacks- und Farbzusätze. Das Gesetz schreibt in jedem Fall vor, dass der Agavenanteil beim „Tequila“ mindestens 51% sein muss. Außerdem kann noch unterschieden werden, ob der Tequila direkt abgefüllt wird, oder erst noch in einem Holzfass reift. Bin jetzt eine kleine Tequilaexpertin und um unser Wissen dann auch noch zu vertiefen, gab es am Schluss der Führung die obligatorische Tequilaprobe…
Abends wieder zurück nach Guadalajara und von dort direkt weiter mit dem Nachtbus nach Mazatlán. Verwirrt, durch die Zeitumstellung und ein bisschen fertig von der Busfahrt, haben wir dem Ort wahrscheinlich nicht die Aufmerksamkeit erbringen können, die er eigentlich verdient hat. Waren aber auch nur dort, weil unser Schiff nach Baja California von dort ablief. Trotzdem: ein sehr schöner Ort, der mich ein bisschen an Italien erinnert hat, mit kleinen Gassen, süßen Plätzen, Häusern die an den Berg geklatscht wurden und schroffe Felsen im Meer. Jedoch ein großer Wehrmutstropfen: Der Ort ist total überlaufen mit Amis. Und zwar den typischen Touristenamis. Übergewichtig und mit kurzen Hosen und Turnschuhen mit weißen Socken… Und das Härteste: Haben sich überall mit einem Golfwägelchen hinchauffieren lassen…
Abends dann also mit typisch mexikanischer Verspätung mit dem Boot nach La Paz übersetzen. Die Bootsfahrt war ganz cool und das Schiff überraschend edel. Waren ganz schön erleichtert, dass wir uns für ein paar hundert Pesos mehr eine Kabine zum schlafen geleistet hatten. Überraschend gute Pasta und eine unglaubliche Aussicht bei der Einfahrt in die Bucht von La Paz auf die Küste Baja Californias.
La Paz wird im Lonely wegen seiner perfekten Sonnenuntergänge angepriesen, von denen wir immerhin einen miterleben durften. Ansonsten hat La Paz kulturell nicht so viel zu bieten. Eine ganz nette Kirche und ein kleiner Platz. Aber immerhin hatten wir das „Glück“ einen mexikanischen Weihnachtsmarkt mitzuerleben… Anhäufung von „Krutscht“-verkaufenden Ständen. Daniels Geburtstag haben wir also mit Kaffee trinken und anderthalb Stunden durch die Gegend laufen verbracht, weil uns keiner die richtige Wegbeschreibung für einen Supermarkt geben wollte. Auch so ne mexikanische Eigenschaft: Lieber was falsches sagen, als zugeben, dass man etwas nicht weiß…
Tags darauf haben wir dann den Versuch gestartet, mit einem Bus an den Strand zu fahren. Sehr schlechte Idee. Denn an was wir uns ab dann gewöhnen mussten: In Baja funktioniert alles ein bisschen anders. Vor allem ein bisschen gemütlicher und dann kann es auch mal passieren, dass man zwei Stunden auf den Bus wartet, oder er gar nicht erst kommt… Zustände, die man hier in Puebla und im touristisch erschlossenen Yucatan nicht mitmachen muss. Jedenfalls sind wir dann abends ein bisschen gefrustet auf den Bus nach Guerrero Negro. Eigentlich der geplante Höhepunkt der Tour (also von meiner Sicht) weil man dort Wale gucken kann. Über Guerrero Negro im Lonely:
„Hier dreht sich in erster Linie alles um Wale; ansonsten ist hier nicht mehr viel geboten – es sei denn, man möchte dem Salz beim Trocknen zusehen (unglaublich aber wahr: Sogar dafür gibt’s geführte Touren!). Absolutes Highlight ist die nahe Laguna Ojo de Liebre, in der die kalifornischen Grauwale sich jedes Jahr paaren und ihren Nachwuchs großziehen. …
Eine etwas seltsame Whale-Watching-Regelung untersagt das mitnehmen von Mascotes (Haustieren) – damit können nur die Wale gemeint sein…“
Jedenfalls hat sich der Höhepunkt unserer Reise ganz schnell als Tiefpunkt heraus gestellt, was schon mit der Fahrt anfing, da wir abends aus Spargründen (Baja ist der teuerste Staat Mexikos) meinten, billige Pasta essen zu müssen. Und wen erwischt die Strafe? Mich. Nach fünf Monaten Mexiko und allem möglichen Essen ausprobieren hatte mich der Fluch des Moctezuma aufs Heftigste erwischt. Und das bei elf Stunden Busfahrt und sehr sehr vielen Kurven… Entsprechend fertig war ich dann in Guerreo Negro und noch viel fertiger, als sie uns mitteilten, dass es noch keine Wale gibt… Heul… Wahrscheinlich hätte ich die Bootsfahrt sowieso nicht überlebt, oder wäre nur an der Rehling gehängt… Trotzdem. Wir waren alle ein bisschen geknickt.
Um die Zeit bis zum nächsten Bus zurück zu überbrücken, haben wir dann zwar noch mit einem netten Taxifahrer die nahe gelegene Laguna inspiziert, aber unsere Stimmung war für diesen Tag wohl trotzdem am Tiefpunkt. Als dann endlich der Bus ankam um uns aus dem Nichts ins nächste Nichts zu fahren, wurden wir erst mal wieder Opfer der mexikanischen Vetternwirtschaft, da wir die Tickets nicht am offiziellen Schalter bezahlen durften, sondern erst beim Busfahrer, der unser Geld dann schön vor unseren Augen mit der Ticketverkäuferin und dem Gepäckeinlader geteilt hat… Immerhin haben sie uns einsteigen lassen und nicht zwischendurch Tickets verlangt, was dann nämlich unangenehm geworden wäre. Jedenfalls war das dann auch nicht das erste Mal, dass wir keine Tickets bekommen haben und so die Korruption schon auf der niedrigsten Ebene mitbekommen haben. Unterwegs wurde dann noch ein paar Mal unser Bus von Militärs gefilzt, weil Baja ja sozusagen das Tor zum Norden ist. Wie effektiv diese Methoden sind? Naja. So wirklich kontrolliert haben sie nicht und ohne speziell ausgebildete Hunde ist das ganz nur eine Show um zu demonstrieren, dass die Regierung ja was macht… und wenn es nur arme Militärs in der Wüste beschäftigen ist.
Unser Tagesziel war San Ignacio. Eine kleine Oase mitten in der Wüste mit Dattel- und Kokospalmen, zwei tausend Einwohnern und keinem Geldautomaten…
Aber immerhin eine ganz süße Jesuitenmision namens San Ignacio de Kadakaamán und eine hübsche Lagune. Inmitten der Wüste… Das war wohl das Beeindruckenste. Wie so weit von allem in einer so lebensfeindlichen Umgebung so ein erfrischender und grüner Ort überleben kann. Und so viele Datteln…
Während der Reise hab ich oft gedacht, dass es ja ein wirklich schöner Flecken Erde ist und beeindruckend, dass es trotz des Klimas so viel Lebensvielfalt gibt und trotzdem: zum dort leben muss man wohl geboren sein. Mir würde einfach immer das Grüne um mich herum fehlen…
Weiter ging es dann nach Mulegé nachdem wir wieder einmal stundenlang auf den Bus mitten in der Wüste gewartet hatten. Aber es hatte sich an diesem Tag gelohnt. Mulegé ist mit seinen 3900 Einwohnern immerhin die Hauptstadt eines Verwaltungsbezirks und wir von manchen als die schönste Stadt Bajas gepriesen. Das muss man sich mal vorstellen. Ein Ort ein bisschen größer als Kuhbach ist der Sitz der Verwaltung vom Ortenaukreis. Jedenfalls haben wir ein sehr süßes Hotel gefunden, dessen Besitzer viel liebe zum Detail pflegten und dessen Innenhof wie verzaubert wirkte. Am nächsten Tag haben wir dann eine Tour zu den Höhlenzeichnungen gemacht, die wohl Papas Herz hätten höher schlagen lassen, da die Ältesten sogar bis zu neuntausend Jahre alt waren. In verblassten Ocker- und Rosttönen ist an den Höhlenwänden neben Schamanen, Mantarochen, Walen und weißen Kinderhänden (die ich ja am süßesten fand) auch das berühmte „Trinity Deer“ zu erkennen. Und das mal wieder mitten in der Wüste. In einem wunderschönen Cañon, der durch einen mickrigen Fluss am Leben erhalten wird.
Auf dem Weg dorthin haben wir dann noch Orangen von einer Plantage probiert und eine Einführung in die Wüstenheilkunde bekommen. Beeindruckend, was für einen tollen Geschmack die Orangen hatten und wie viel Leben in der Wüste steckt…
So gab es auch ein Gras, das wohl in ganz Mexiko wächst, dass von den einheimischen Mädchen benutzt wird, um einen Jungen zu „verzaubern“. Daniel hat daraufhin erzählt, dass dieses Kraut eigentlich nur benebelt und in großen Mengen sogar tödlich sein kann und er deswegen seiner Oma immer versprechen musste nichts von irgendwelchen Mädchen zu essen oder zu trinken. Süß oder?
Auf dem Rückweg haben wir dann noch die Misión Santa Rosalía von 1705 besichtigt und eine unglaubliche Aussicht auf den Dattelwald zu unseren Füßen genossen.
Den nächsten Tag haben wir dann mit einsamen Buchten erkunden und am Strand rumliegen verbracht, was irgendwie ein bisschen zu kurz kam, weil das Wetter auch nicht immer mitgespielt hat. Also hatten wir einen schönen ruhigen letzten Tag in Mulegé und ein leckeres Abschlussessen mit frittierten Jacobsmuscheln.
Tags darauf ging es dann wieder zurück nach La Paz und dort dann noch zwei ruhige Tage am Meer mit viel lesen und einsame Buchten erkunden, Quallenattacken und Muscheln sammeln.
Von La Paz ging es dann per Flieger wieder zurück nach Mexiko Stadt und von dort wieder nach Puebla in eine neue Wohnung mit Vulkansicht und einem unaufgeräumten Zimmer, das innerhalb eines Tages auf Hochglanz gebracht werden musste, damit sich die Mama dann auch wohl fühlt.
Als Schlussresumee der Reise dachte ich mir, dass ich mir wohl alles ein bisschen anders vorgestellt hatte. Alles ein bisschen einfacher und angenehmer, was das Rumreisen angeht, weil ich es ja so bisher gewohnt war. Dann hat auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Sonne hat sich eben nicht immer von ihrer besten Seite gezeigt und sich manchmal sogar versteckt… Dass ich keine Wale gesehen habe hat mich dann schon ein bisschen traurig gemacht, weil die ja auch mit ein Grund für die Reise waren. Aber so habe ich jedenfalls noch mal eine Ausrede wieder in den Staat der Kakteen und der unendlichen Weite zurückzukehren. Mit seinen wunderschönen einsamen Buchten, den Oasen wie in einer anderen Welt und den leckeren Meeresfrüchten. Nur das nächste Mal mit Auto. Weil die Busse gehen einfach gar nicht…