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| Baja California |
Donnerstag, 29. Januar 2009
Dienstag, 27. Januar 2009
Baja California
„Sonnenverbrannte Wüsten, wilde Sierras, verkrüppelte Boojum-Bäume und surreale Felsformationen. Dazu Wale, jede Menge Pflanzen und Tiere…“,
so der Lonely Planet über Baja California.
Aber angefangen hat unser Abenteuer am westlichen Rand Mexikos in der zweitgrößten Metropole Mexikos. Nämlich Guadalajara. Vier Millionen Einwohner auf 1540 Meter. Marie und ich waren gespannt. So viel hatten wir schon von dieser Stadt gehört. Manche bezeichnen sie als die schönste. Andere schwärmen von dem Centro Histórico, den Stierkämpfen und dem Charme. Um ehrlich zu sein waren wir ein bisschen enttäuscht. Wir haben das Kulturprogramm abgehackt und alle wichtigen Gebäude
abgeklappert. Und trotzdem ist der Funke nicht übergesprungen. Inzwischen vermute ich, dass wir wohl von Puebla einfach zu verwöhnt sind. Hier gibt es kleine Gassen, das Zentrum ist ruhig und gemütlich, an jeder Ecke findet man eine Kirche und sonntags sind die Gassen im Zentrum voll mit Märkten, von denen jeder eine andere Spezialität hat. Es gibt den Antiquitäten- oder den Alternativmarkt, den Krempel- und Souvenirsmarkt. Guadalajara sonntags war für Marie und mich einfach nur Stress. Das Zentrum ist nicht vom Verkehr befreit und es sind so viele Leute unterwegs, dass ich mir wie am letzten Adventssonntag in München vorkam. Einfach zu viel. Und das konnten dann auch die schönen Gebäude das Zentrum nicht wieder gut machen… Zumal es am Zocalo also dem Hauptplatz einfach so penetrant gestunken hat, dass ich schon fast meine Grenze des erträglichen erreicht hatte…
Glücklicherweise haben wir dann noch ein sehr süßes Café gefunden und was man Guadalajara lassen muss: Es hat um einiges mehr stylische Klamottenläden als Puebla und die Leute sind sehr sehr nett! Zuvorkommend, hilfsbereit und lächeln sehr viel mehr. Die Eigenschaften, die man den Poblaner nachsagt, also eingebildet und unfreundlich zu sein wurde uns in Guadalajara ein bisschen bewusst. Nicht umsonst werden die Poblaner außerhalb Pueblas als „Pipope“ bezeichnet. PInchePOblanoPEndejo. Was soviel heißt wie „scheiß Arschloch Poblaner“…
Trotzdem: Marie und mir wurde wieder einmal bewusst, wie glücklich wir uns schätzen konnten, dass es uns nach Puebla verschlagen hat.
Also einen Tag haben wir uns von Guadalajara „flashen“ lassen, dann kam Daniel an und wir haben das Kulturprogramm gemacht und den dritten Tag sind wir dann geflüchtet. Und zwar nach Tequila! Sehr sehr cool. Vor allem weil ich ein überlaufenes Nest mit betrunken Touristen erwartet habe. War aber überhaupt nicht so. Ein schöner kleiner Ort mit sehr viel Charme inmitten von Agavenfeldern. Natürlich haben wir eine Tour gemacht und hatten das Glück an einen sehr guten Guide zu geraten. Rogelio. Hatten eine Privattour und er hat sich alle Mühe gegeben so ausführlich wie möglich auf unsere ständigen Fragen zu antworten. Also zuerst vorbei an ein paar Destillerien im Ortszentrum, dann vorbei an ein paar Agavenfeldern, wobei wir immer schön mit Insider-Infos über die Besitzer der Destilerien versorgt wurden, bis wir dann schließlich an der Destilerie „Rubio“ also Blonder, ankamen.
Dort haben wir dann den ganzen Prozess der Tequilaherstellung mitverfolgen können und ich muss sagen: sehr interessant.
Die Agavenpflanze muss nämlich mindestens acht Jahre wachsen, bevor ihr Herz, dass man piña nennt, die Größe eines Medizinballs erreicht und dann bis zu 150 kg wiegen kann. Dann kann sie geerntet werden. Daraufhin wird das Herz halbiert, in einen Ofen geschoben und bis zu drei Tage gekocht. Das weiche Material wird zerkleinert und gepresst, wodurch Saft entsteht, der im Gärbottich mit Hefe zusammengebracht wird. Für die Bezeichnung „100% Agave“ darf den Premiumtequilas ansonsten laut Gesetz nichts mehr zugesetzt werden. Billigere Varianten enthalten oft Zucker und manchmal auch Geschmacks- und Farbzusätze. Das Gesetz schreibt in jedem Fall vor, dass der Agavenanteil beim „Tequila“ mindestens 51% sein muss. Außerdem kann noch unterschieden werden, ob der Tequila direkt abgefüllt wird, oder erst noch in einem Holzfass reift. Bin jetzt eine kleine Tequilaexpertin und um unser Wissen dann auch noch zu vertiefen, gab es am Schluss der Führung die obligatorische Tequilaprobe…
Abends wieder zurück nach Guadalajara und von dort direkt weiter mit dem Nachtbus nach Mazatlán. Verwirrt, durch die Zeitumstellung und ein bisschen fertig von der Busfahrt, haben wir dem Ort wahrscheinlich nicht die Aufmerksamkeit erbringen können, die er eigentlich verdient hat. Waren aber auch nur dort, weil unser Schiff nach Baja California von dort ablief. Trotzdem: ein sehr schöner Ort, der mich ein bisschen an Italien erinnert hat, mit kleinen Gassen, süßen Plätzen, Häusern die an den Berg geklatscht wurden und schroffe Felsen im Meer. Jedoch ein großer Wehrmutstropfen: Der Ort ist total überlaufen mit Amis. Und zwar den typischen Touristenamis. Übergewichtig und mit kurzen Hosen und Turnschuhen mit weißen Socken… Und das Härteste: Haben sich überall mit einem Golfwägelchen hinchauffieren lassen…
Abends dann also mit typisch mexikanischer Verspätung mit dem Boot nach La Paz übersetzen. Die Bootsfahrt war ganz cool und das Schiff überraschend edel. Waren ganz schön erleichtert, dass wir uns für ein paar hundert Pesos mehr eine Kabine zum schlafen geleistet hatten. Überraschend gute Pasta und eine unglaubliche Aussicht bei der Einfahrt in die Bucht von La Paz auf die Küste Baja Californias.
La Paz wird im Lonely wegen seiner perfekten Sonnenuntergänge angepriesen, von denen wir immerhin einen miterleben durften. Ansonsten hat La Paz kulturell nicht so viel zu bieten. Eine ganz nette Kirche und ein kleiner Platz. Aber immerhin hatten wir das „Glück“ einen mexikanischen Weihnachtsmarkt mitzuerleben… Anhäufung von „Krutscht“-verkaufenden Ständen. Daniels Geburtstag haben wir also mit Kaffee trinken und anderthalb Stunden durch die Gegend laufen verbracht, weil uns keiner die richtige Wegbeschreibung für einen Supermarkt geben wollte. Auch so ne mexikanische Eigenschaft: Lieber was falsches sagen, als zugeben, dass man etwas nicht weiß…
Tags darauf haben wir dann den Versuch gestartet, mit einem Bus an den Strand zu fahren. Sehr schlechte Idee. Denn an was wir uns ab dann gewöhnen mussten: In Baja funktioniert alles ein bisschen anders. Vor allem ein bisschen gemütlicher und dann kann es auch mal passieren, dass man zwei Stunden auf den Bus wartet, oder er gar nicht erst kommt… Zustände, die man hier in Puebla und im touristisch erschlossenen Yucatan nicht mitmachen muss. Jedenfalls sind wir dann abends ein bisschen gefrustet auf den Bus nach Guerrero Negro. Eigentlich der geplante Höhepunkt der Tour (also von meiner Sicht) weil man dort Wale gucken kann. Über Guerrero Negro im Lonely:
„Hier dreht sich in erster Linie alles um Wale; ansonsten ist hier nicht mehr viel geboten – es sei denn, man möchte dem Salz beim Trocknen zusehen (unglaublich aber wahr: Sogar dafür gibt’s geführte Touren!). Absolutes Highlight ist die nahe Laguna Ojo de Liebre, in der die kalifornischen Grauwale sich jedes Jahr paaren und ihren Nachwuchs großziehen. …
Eine etwas seltsame Whale-Watching-Regelung untersagt das mitnehmen von Mascotes (Haustieren) – damit können nur die Wale gemeint sein…“
Jedenfalls hat sich der Höhepunkt unserer Reise ganz schnell als Tiefpunkt heraus gestellt, was schon mit der Fahrt anfing, da wir abends aus Spargründen (Baja ist der teuerste Staat Mexikos) meinten, billige Pasta essen zu müssen. Und wen erwischt die Strafe? Mich. Nach fünf Monaten Mexiko und allem möglichen Essen ausprobieren hatte mich der Fluch des Moctezuma aufs Heftigste erwischt. Und das bei elf Stunden Busfahrt und sehr sehr vielen Kurven… Entsprechend fertig war ich dann in Guerreo Negro und noch viel fertiger, als sie uns mitteilten, dass es noch keine Wale gibt… Heul… Wahrscheinlich hätte ich die Bootsfahrt sowieso nicht überlebt, oder wäre nur an der Rehling gehängt… Trotzdem. Wir waren alle ein bisschen geknickt.
Um die Zeit bis zum nächsten Bus zurück zu überbrücken, haben wir dann zwar noch mit einem netten Taxifahrer die nahe gelegene Laguna inspiziert, aber unsere Stimmung war für diesen Tag wohl trotzdem am Tiefpunkt. Als dann endlich der Bus ankam um uns aus dem Nichts ins nächste Nichts zu fahren, wurden wir erst mal wieder Opfer der mexikanischen Vetternwirtschaft, da wir die Tickets nicht am offiziellen Schalter bezahlen durften, sondern erst beim Busfahrer, der unser Geld dann schön vor unseren Augen mit der Ticketverkäuferin und dem Gepäckeinlader geteilt hat… Immerhin haben sie uns einsteigen lassen und nicht zwischendurch Tickets verlangt, was dann nämlich unangenehm geworden wäre. Jedenfalls war das dann auch nicht das erste Mal, dass wir keine Tickets bekommen haben und so die Korruption schon auf der niedrigsten Ebene mitbekommen haben. Unterwegs wurde dann noch ein paar Mal unser Bus von Militärs gefilzt, weil Baja ja sozusagen das Tor zum Norden ist. Wie effektiv diese Methoden sind? Naja. So wirklich kontrolliert haben sie nicht und ohne speziell ausgebildete Hunde ist das ganz nur eine Show um zu demonstrieren, dass die Regierung ja was macht… und wenn es nur arme Militärs in der Wüste beschäftigen ist.
Unser Tagesziel war San Ignacio. Eine kleine Oase mitten in der Wüste mit Dattel- und Kokospalmen, zwei tausend Einwohnern und keinem Geldautomaten…
Aber immerhin eine ganz süße Jesuitenmision namens San Ignacio de Kadakaamán und eine hübsche Lagune. Inmitten der Wüste… Das war wohl das Beeindruckenste. Wie so weit von allem in einer so lebensfeindlichen Umgebung so ein erfrischender und grüner Ort überleben kann. Und so viele Datteln…
Während der Reise hab ich oft gedacht, dass es ja ein wirklich schöner Flecken Erde ist und beeindruckend, dass es trotz des Klimas so viel Lebensvielfalt gibt und trotzdem: zum dort leben muss man wohl geboren sein. Mir würde einfach immer das Grüne um mich herum fehlen…
Weiter ging es dann nach Mulegé nachdem wir wieder einmal stundenlang auf den Bus mitten in der Wüste gewartet hatten. Aber es hatte sich an diesem Tag gelohnt. Mulegé ist mit seinen 3900 Einwohnern immerhin die Hauptstadt eines Verwaltungsbezirks und wir von manchen als die schönste Stadt Bajas gepriesen. Das muss man sich mal vorstellen. Ein Ort ein bisschen größer als Kuhbach ist der Sitz der Verwaltung vom Ortenaukreis. Jedenfalls haben wir ein sehr süßes Hotel gefunden, dessen Besitzer viel liebe zum Detail pflegten und dessen Innenhof wie verzaubert wirkte. Am nächsten Tag haben wir dann eine Tour zu den Höhlenzeichnungen gemacht, die wohl Papas Herz hätten höher schlagen lassen, da die Ältesten sogar bis zu neuntausend Jahre alt waren. In verblassten Ocker- und Rosttönen ist an den Höhlenwänden neben Schamanen, Mantarochen, Walen und weißen Kinderhänden (die ich ja am süßesten fand) auch das berühmte „Trinity Deer“ zu erkennen. Und das mal wieder mitten in der Wüste. In einem wunderschönen Cañon, der durch einen mickrigen Fluss am Leben erhalten wird.
Auf dem Weg dorthin haben wir dann noch Orangen von einer Plantage probiert und eine Einführung in die Wüstenheilkunde bekommen. Beeindruckend, was für einen tollen Geschmack die Orangen hatten und wie viel Leben in der Wüste steckt…
So gab es auch ein Gras, das wohl in ganz Mexiko wächst, dass von den einheimischen Mädchen benutzt wird, um einen Jungen zu „verzaubern“. Daniel hat daraufhin erzählt, dass dieses Kraut eigentlich nur benebelt und in großen Mengen sogar tödlich sein kann und er deswegen seiner Oma immer versprechen musste nichts von irgendwelchen Mädchen zu essen oder zu trinken. Süß oder?
Auf dem Rückweg haben wir dann noch die Misión Santa Rosalía von 1705 besichtigt und eine unglaubliche Aussicht auf den Dattelwald zu unseren Füßen genossen.
Den nächsten Tag haben wir dann mit einsamen Buchten erkunden und am Strand rumliegen verbracht, was irgendwie ein bisschen zu kurz kam, weil das Wetter auch nicht immer mitgespielt hat. Also hatten wir einen schönen ruhigen letzten Tag in Mulegé und ein leckeres Abschlussessen mit frittierten Jacobsmuscheln.
Tags darauf ging es dann wieder zurück nach La Paz und dort dann noch zwei ruhige Tage am Meer mit viel lesen und einsame Buchten erkunden, Quallenattacken und Muscheln sammeln.
Von La Paz ging es dann per Flieger wieder zurück nach Mexiko Stadt und von dort wieder nach Puebla in eine neue Wohnung mit Vulkansicht und einem unaufgeräumten Zimmer, das innerhalb eines Tages auf Hochglanz gebracht werden musste, damit sich die Mama dann auch wohl fühlt.
Als Schlussresumee der Reise dachte ich mir, dass ich mir wohl alles ein bisschen anders vorgestellt hatte. Alles ein bisschen einfacher und angenehmer, was das Rumreisen angeht, weil ich es ja so bisher gewohnt war. Dann hat auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Sonne hat sich eben nicht immer von ihrer besten Seite gezeigt und sich manchmal sogar versteckt… Dass ich keine Wale gesehen habe hat mich dann schon ein bisschen traurig gemacht, weil die ja auch mit ein Grund für die Reise waren. Aber so habe ich jedenfalls noch mal eine Ausrede wieder in den Staat der Kakteen und der unendlichen Weite zurückzukehren. Mit seinen wunderschönen einsamen Buchten, den Oasen wie in einer anderen Welt und den leckeren Meeresfrüchten. Nur das nächste Mal mit Auto. Weil die Busse gehen einfach gar nicht…
so der Lonely Planet über Baja California.
Aber angefangen hat unser Abenteuer am westlichen Rand Mexikos in der zweitgrößten Metropole Mexikos. Nämlich Guadalajara. Vier Millionen Einwohner auf 1540 Meter. Marie und ich waren gespannt. So viel hatten wir schon von dieser Stadt gehört. Manche bezeichnen sie als die schönste. Andere schwärmen von dem Centro Histórico, den Stierkämpfen und dem Charme. Um ehrlich zu sein waren wir ein bisschen enttäuscht. Wir haben das Kulturprogramm abgehackt und alle wichtigen Gebäude
Glücklicherweise haben wir dann noch ein sehr süßes Café gefunden und was man Guadalajara lassen muss: Es hat um einiges mehr stylische Klamottenläden als Puebla und die Leute sind sehr sehr nett! Zuvorkommend, hilfsbereit und lächeln sehr viel mehr. Die Eigenschaften, die man den Poblaner nachsagt, also eingebildet und unfreundlich zu sein wurde uns in Guadalajara ein bisschen bewusst. Nicht umsonst werden die Poblaner außerhalb Pueblas als „Pipope“ bezeichnet. PInchePOblanoPEndejo. Was soviel heißt wie „scheiß Arschloch Poblaner“…
Trotzdem: Marie und mir wurde wieder einmal bewusst, wie glücklich wir uns schätzen konnten, dass es uns nach Puebla verschlagen hat.
Also einen Tag haben wir uns von Guadalajara „flashen“ lassen, dann kam Daniel an und wir haben das Kulturprogramm gemacht und den dritten Tag sind wir dann geflüchtet. Und zwar nach Tequila! Sehr sehr cool. Vor allem weil ich ein überlaufenes Nest mit betrunken Touristen erwartet habe. War aber überhaupt nicht so. Ein schöner kleiner Ort mit sehr viel Charme inmitten von Agavenfeldern. Natürlich haben wir eine Tour gemacht und hatten das Glück an einen sehr guten Guide zu geraten. Rogelio. Hatten eine Privattour und er hat sich alle Mühe gegeben so ausführlich wie möglich auf unsere ständigen Fragen zu antworten. Also zuerst vorbei an ein paar Destillerien im Ortszentrum, dann vorbei an ein paar Agavenfeldern, wobei wir immer schön mit Insider-Infos über die Besitzer der Destilerien versorgt wurden, bis wir dann schließlich an der Destilerie „Rubio“ also Blonder, ankamen.
Dort haben wir dann den ganzen Prozess der Tequilaherstellung mitverfolgen können und ich muss sagen: sehr interessant.
Die Agavenpflanze muss nämlich mindestens acht Jahre wachsen, bevor ihr Herz, dass man piña nennt, die Größe eines Medizinballs erreicht und dann bis zu 150 kg wiegen kann. Dann kann sie geerntet werden. Daraufhin wird das Herz halbiert, in einen Ofen geschoben und bis zu drei Tage gekocht. Das weiche Material wird zerkleinert und gepresst, wodurch Saft entsteht, der im Gärbottich mit Hefe zusammengebracht wird. Für die Bezeichnung „100% Agave“ darf den Premiumtequilas ansonsten laut Gesetz nichts mehr zugesetzt werden. Billigere Varianten enthalten oft Zucker und manchmal auch Geschmacks- und Farbzusätze. Das Gesetz schreibt in jedem Fall vor, dass der Agavenanteil beim „Tequila“ mindestens 51% sein muss. Außerdem kann noch unterschieden werden, ob der Tequila direkt abgefüllt wird, oder erst noch in einem Holzfass reift. Bin jetzt eine kleine Tequilaexpertin und um unser Wissen dann auch noch zu vertiefen, gab es am Schluss der Führung die obligatorische Tequilaprobe…
Abends wieder zurück nach Guadalajara und von dort direkt weiter mit dem Nachtbus nach Mazatlán. Verwirrt, durch die Zeitumstellung und ein bisschen fertig von der Busfahrt, haben wir dem Ort wahrscheinlich nicht die Aufmerksamkeit erbringen können, die er eigentlich verdient hat. Waren aber auch nur dort, weil unser Schiff nach Baja California von dort ablief. Trotzdem: ein sehr schöner Ort, der mich ein bisschen an Italien erinnert hat, mit kleinen Gassen, süßen Plätzen, Häusern die an den Berg geklatscht wurden und schroffe Felsen im Meer. Jedoch ein großer Wehrmutstropfen: Der Ort ist total überlaufen mit Amis. Und zwar den typischen Touristenamis. Übergewichtig und mit kurzen Hosen und Turnschuhen mit weißen Socken… Und das Härteste: Haben sich überall mit einem Golfwägelchen hinchauffieren lassen…
Abends dann also mit typisch mexikanischer Verspätung mit dem Boot nach La Paz übersetzen. Die Bootsfahrt war ganz cool und das Schiff überraschend edel. Waren ganz schön erleichtert, dass wir uns für ein paar hundert Pesos mehr eine Kabine zum schlafen geleistet hatten. Überraschend gute Pasta und eine unglaubliche Aussicht bei der Einfahrt in die Bucht von La Paz auf die Küste Baja Californias.
La Paz wird im Lonely wegen seiner perfekten Sonnenuntergänge angepriesen, von denen wir immerhin einen miterleben durften. Ansonsten hat La Paz kulturell nicht so viel zu bieten. Eine ganz nette Kirche und ein kleiner Platz. Aber immerhin hatten wir das „Glück“ einen mexikanischen Weihnachtsmarkt mitzuerleben… Anhäufung von „Krutscht“-verkaufenden Ständen. Daniels Geburtstag haben wir also mit Kaffee trinken und anderthalb Stunden durch die Gegend laufen verbracht, weil uns keiner die richtige Wegbeschreibung für einen Supermarkt geben wollte. Auch so ne mexikanische Eigenschaft: Lieber was falsches sagen, als zugeben, dass man etwas nicht weiß…
Tags darauf haben wir dann den Versuch gestartet, mit einem Bus an den Strand zu fahren. Sehr schlechte Idee. Denn an was wir uns ab dann gewöhnen mussten: In Baja funktioniert alles ein bisschen anders. Vor allem ein bisschen gemütlicher und dann kann es auch mal passieren, dass man zwei Stunden auf den Bus wartet, oder er gar nicht erst kommt… Zustände, die man hier in Puebla und im touristisch erschlossenen Yucatan nicht mitmachen muss. Jedenfalls sind wir dann abends ein bisschen gefrustet auf den Bus nach Guerrero Negro. Eigentlich der geplante Höhepunkt der Tour (also von meiner Sicht) weil man dort Wale gucken kann. Über Guerrero Negro im Lonely:
„Hier dreht sich in erster Linie alles um Wale; ansonsten ist hier nicht mehr viel geboten – es sei denn, man möchte dem Salz beim Trocknen zusehen (unglaublich aber wahr: Sogar dafür gibt’s geführte Touren!). Absolutes Highlight ist die nahe Laguna Ojo de Liebre, in der die kalifornischen Grauwale sich jedes Jahr paaren und ihren Nachwuchs großziehen. …
Eine etwas seltsame Whale-Watching-Regelung untersagt das mitnehmen von Mascotes (Haustieren) – damit können nur die Wale gemeint sein…“
Jedenfalls hat sich der Höhepunkt unserer Reise ganz schnell als Tiefpunkt heraus gestellt, was schon mit der Fahrt anfing, da wir abends aus Spargründen (Baja ist der teuerste Staat Mexikos) meinten, billige Pasta essen zu müssen. Und wen erwischt die Strafe? Mich. Nach fünf Monaten Mexiko und allem möglichen Essen ausprobieren hatte mich der Fluch des Moctezuma aufs Heftigste erwischt. Und das bei elf Stunden Busfahrt und sehr sehr vielen Kurven… Entsprechend fertig war ich dann in Guerreo Negro und noch viel fertiger, als sie uns mitteilten, dass es noch keine Wale gibt… Heul… Wahrscheinlich hätte ich die Bootsfahrt sowieso nicht überlebt, oder wäre nur an der Rehling gehängt… Trotzdem. Wir waren alle ein bisschen geknickt.
Um die Zeit bis zum nächsten Bus zurück zu überbrücken, haben wir dann zwar noch mit einem netten Taxifahrer die nahe gelegene Laguna inspiziert, aber unsere Stimmung war für diesen Tag wohl trotzdem am Tiefpunkt. Als dann endlich der Bus ankam um uns aus dem Nichts ins nächste Nichts zu fahren, wurden wir erst mal wieder Opfer der mexikanischen Vetternwirtschaft, da wir die Tickets nicht am offiziellen Schalter bezahlen durften, sondern erst beim Busfahrer, der unser Geld dann schön vor unseren Augen mit der Ticketverkäuferin und dem Gepäckeinlader geteilt hat… Immerhin haben sie uns einsteigen lassen und nicht zwischendurch Tickets verlangt, was dann nämlich unangenehm geworden wäre. Jedenfalls war das dann auch nicht das erste Mal, dass wir keine Tickets bekommen haben und so die Korruption schon auf der niedrigsten Ebene mitbekommen haben. Unterwegs wurde dann noch ein paar Mal unser Bus von Militärs gefilzt, weil Baja ja sozusagen das Tor zum Norden ist. Wie effektiv diese Methoden sind? Naja. So wirklich kontrolliert haben sie nicht und ohne speziell ausgebildete Hunde ist das ganz nur eine Show um zu demonstrieren, dass die Regierung ja was macht… und wenn es nur arme Militärs in der Wüste beschäftigen ist.
Unser Tagesziel war San Ignacio. Eine kleine Oase mitten in der Wüste mit Dattel- und Kokospalmen, zwei tausend Einwohnern und keinem Geldautomaten…
Aber immerhin eine ganz süße Jesuitenmision namens San Ignacio de Kadakaamán und eine hübsche Lagune. Inmitten der Wüste… Das war wohl das Beeindruckenste. Wie so weit von allem in einer so lebensfeindlichen Umgebung so ein erfrischender und grüner Ort überleben kann. Und so viele Datteln…
Während der Reise hab ich oft gedacht, dass es ja ein wirklich schöner Flecken Erde ist und beeindruckend, dass es trotz des Klimas so viel Lebensvielfalt gibt und trotzdem: zum dort leben muss man wohl geboren sein. Mir würde einfach immer das Grüne um mich herum fehlen…
Weiter ging es dann nach Mulegé nachdem wir wieder einmal stundenlang auf den Bus mitten in der Wüste gewartet hatten. Aber es hatte sich an diesem Tag gelohnt. Mulegé ist mit seinen 3900 Einwohnern immerhin die Hauptstadt eines Verwaltungsbezirks und wir von manchen als die schönste Stadt Bajas gepriesen. Das muss man sich mal vorstellen. Ein Ort ein bisschen größer als Kuhbach ist der Sitz der Verwaltung vom Ortenaukreis. Jedenfalls haben wir ein sehr süßes Hotel gefunden, dessen Besitzer viel liebe zum Detail pflegten und dessen Innenhof wie verzaubert wirkte. Am nächsten Tag haben wir dann eine Tour zu den Höhlenzeichnungen gemacht, die wohl Papas Herz hätten höher schlagen lassen, da die Ältesten sogar bis zu neuntausend Jahre alt waren. In verblassten Ocker- und Rosttönen ist an den Höhlenwänden neben Schamanen, Mantarochen, Walen und weißen Kinderhänden (die ich ja am süßesten fand) auch das berühmte „Trinity Deer“ zu erkennen. Und das mal wieder mitten in der Wüste. In einem wunderschönen Cañon, der durch einen mickrigen Fluss am Leben erhalten wird.
Auf dem Weg dorthin haben wir dann noch Orangen von einer Plantage probiert und eine Einführung in die Wüstenheilkunde bekommen. Beeindruckend, was für einen tollen Geschmack die Orangen hatten und wie viel Leben in der Wüste steckt…
So gab es auch ein Gras, das wohl in ganz Mexiko wächst, dass von den einheimischen Mädchen benutzt wird, um einen Jungen zu „verzaubern“. Daniel hat daraufhin erzählt, dass dieses Kraut eigentlich nur benebelt und in großen Mengen sogar tödlich sein kann und er deswegen seiner Oma immer versprechen musste nichts von irgendwelchen Mädchen zu essen oder zu trinken. Süß oder?
Auf dem Rückweg haben wir dann noch die Misión Santa Rosalía von 1705 besichtigt und eine unglaubliche Aussicht auf den Dattelwald zu unseren Füßen genossen.
Den nächsten Tag haben wir dann mit einsamen Buchten erkunden und am Strand rumliegen verbracht, was irgendwie ein bisschen zu kurz kam, weil das Wetter auch nicht immer mitgespielt hat. Also hatten wir einen schönen ruhigen letzten Tag in Mulegé und ein leckeres Abschlussessen mit frittierten Jacobsmuscheln.
Tags darauf ging es dann wieder zurück nach La Paz und dort dann noch zwei ruhige Tage am Meer mit viel lesen und einsame Buchten erkunden, Quallenattacken und Muscheln sammeln.
Von La Paz ging es dann per Flieger wieder zurück nach Mexiko Stadt und von dort wieder nach Puebla in eine neue Wohnung mit Vulkansicht und einem unaufgeräumten Zimmer, das innerhalb eines Tages auf Hochglanz gebracht werden musste, damit sich die Mama dann auch wohl fühlt.
Als Schlussresumee der Reise dachte ich mir, dass ich mir wohl alles ein bisschen anders vorgestellt hatte. Alles ein bisschen einfacher und angenehmer, was das Rumreisen angeht, weil ich es ja so bisher gewohnt war. Dann hat auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Sonne hat sich eben nicht immer von ihrer besten Seite gezeigt und sich manchmal sogar versteckt… Dass ich keine Wale gesehen habe hat mich dann schon ein bisschen traurig gemacht, weil die ja auch mit ein Grund für die Reise waren. Aber so habe ich jedenfalls noch mal eine Ausrede wieder in den Staat der Kakteen und der unendlichen Weite zurückzukehren. Mit seinen wunderschönen einsamen Buchten, den Oasen wie in einer anderen Welt und den leckeren Meeresfrüchten. Nur das nächste Mal mit Auto. Weil die Busse gehen einfach gar nicht…
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